Die Unabhängigkeit des Herrn Lauterbach

An: karl.lauterbach@bundestag.de

Betreff: Ihre Unabhängigkeit

 

Sehr geehrter Herr Abgeordneter,

bei Spiegel Online (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/axa-rabatt-fuer-cdu-mitglieder-spd-und-gruene-empoeren-sich-a-863897.html)

haben Sie sich folgendermaßen zu dem Gruppenvertrag der AXA für CDU-Mitglieder geäußert:

„Solch ein Gruppenvertrag ist völlig inakzeptabel.“
„Die Union gibt für ein paar Prozent Rabatt ihre politische Unabhängigkeit auf“

Wie beurteilen Sie vor dem Hintergrund Ihrer Nebeneinkünfte durch das Uniklinikum Köln und Ihrer Aufsichtsratstätigkeit beim Gesundheitskonzern Rhön-Klinikum (http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/L/lauterbach_karl.html) Ihre eigene Unabhängigkeit als Gesundheitspolitiker und Abgeordneter des Deutschen Bundestages?

Mit freundlichen Grüßen

Henrik Bröckelmann

 

 

Hape Kerkeling und die Medien – eine kleine aber feine Beobachtung (Update 8 – Er war es wirklich!)

Während ich eigentlich an einem Blogbeitrag über die #DLF50-Konferenz, bei der gestern und heute das Verhältnis von Medien und Politik beleuchtet wurde, schrieb, machte ich eine zufällige Beobachtung, die mit dem Thema zu tun hat und die ich zunächst einmal festhalten wollte. Der Bericht über die DLF-Konferenz muß daher noch bis morgen oder übermorgen warten.

Vorgestern machte auf Facebook und Twitter ein Kommentar von Hape Kerkeling die Runde, in der er sich in der Causa „Wulff vs. Bild“ klar und deutlich auf die Seite des Herrn Bundespräsidenten stellt und mit den Worten schließt: „Herr Präsident, bleiben Sie im Amt und vor allem bleiben Sie Mensch! Hape Kerkeling“.
Der Artikel wurde am Donnerstag, 4. Januar 2011, um 13:28 zunächst auf der privaten Facebook-Seite von Hape Kerkeling gepostet. Um 13:31 Uhr wurde er auch auf einer Fanseite „hape kerkeling und seine freunde“ gepostet. Später wurde das Magazin blu.fm auf die Seite aufmerksam und postete diesen wortgleich auf ihrer Internetseite. Diese Seite ist mittlerweile nicht mehr erreichbar. Stattdessen gibt es eine Zusammenfassung des Kommentars und einen Screenshot von einem weiteren Facebook-Eintrag Hape Kerkelings auf seiner privaten Seite: „Ich bleibe dabei und nehme nichts zurück“.

Der Kommentar Hape Kerkelings fand in den vergangenen Tagen rasende Verbreitung. Auf der privaten Seite gibt es (Stand: 07.01.2012, 22:50 Uhr) 383 „Gefällt mir“  und 222 „Kommentare“. Auf der Fanseite gibt es 3.596 „Gefällt mir“ und 503 „Kommentare“. Laut Facebook ist dieser Eintrag 1.183 Mal (!) von Leuten auf ihren Seiten geteilt worden.

Auch der Link zu dem blu.fm-Artikel hatte sich am Donnerstag abend rasant verbreitet. Leider kann die Menge nicht mehr nachvollzogen werden, da blu.fm die Seite ja gelöscht bzw. ersetzt hat. Ich kann nur sagen, dass in meiner Timeline am Donnerstag abend der überwiegende Teil von dieser Seite kam, was mich wunderte, wie folgender Tweet zeigt ;-)

Topsy findet auch etliche Tweets zu Hape Kerkeling in den vergangenen drei Tagen. Allein der Link zu dem blu-Artikel ist 287mal getweeted worden.

Auch wenn mir gerade passende Vergleichszahlen fehlen: Man kann aus diesen Zahlen m.E. schließen, dass der Artikel von Hape Kerkeling eine gewisse Reichweite hatte! Wenn allein der eine Artikel 1.183mal geteilt und damit an etliche weitere „Freunde“ dieser 1.183 Facebook-Aktiven weitergegeben wurde, ist das schon ne Nummer!

Doch was machen die etablierten Medien, die sonst auch häufig über jeden „Fliegenschiß“ aus dem Social Web berichten und die heute 400 Hanseln, die vor dem Bellevue ihre Schuhe heben mit vielen bunten Bildern in der Hauptmeldung der Tagesschau belohnen, daraus?! Richtig geraten: Offensichtlich nix! Das ergibt zumindest meine Recherche bei Google News! Bei einer Google News Suche (heute 22:30 Uhr) nach „Hape Kerkeling“ findet man sage und schreibe 11 Meldungen zu dem Kommentar von Hape Kerkeling, darunter eine Meldung von n-tv, eine von der Müchnener Abendzeitung und eine vom Branchendienst meedia. Von den anderen großen Medien weit und breit keine Spur, was auch die Recherche über die Suchseiten von stern.de, bild.de, heute.de, tagesschau.de und spon.de bestätigt. Bei Spiegel Online gab es lediglich einen Tweet, der zu der blu.fm Seite weiterverweist.

Nun mag man darüber streiten, ob ein Comedian in dieser Debatte eine ernstzunehmende Stimme sein kann? Ich bin der Meinung ja, weil ich gerade Hape Kerkeling, nicht zuletzt durch sein Buch „Ich bin dann mal weg …“ nicht nur für einen großartigen Comedian halte, sondern auch für einen nachdenklichen und ernsten Menschen, der neben seinen komödiantischen Fähigkeiten, seinen Mitmenschen auch etwas mitzuteilen hat. Aber selbst wenn man die Frage verneint, so ist es doch sehr, sehr auffällig, dass jemand, von dem bis vor kurzem nicht nur die BILD-Zeitung, fast jeden Schritt und Tritt berichtete, nun von den Medien nahezu völlig ignoriert wird. Man darf nur beispielhalft daran erinnern, dass es Eilmeldungen von ALLEN Medien nur so hagelte nachdem Hape Kerkeling die Moderation von „Wetten dass“ abgelehnt hatte. Jörg Schönenborn vom WDR , hat die Medien bei der #DLF50-Konferenz am Wochenende davor gewarnt, sich in der Affäre um Bundespräsident Wulff als Gewinner zu sehen. „Die Mehrheit nimmt die Berichterstattung inzwischen als unfaire Hetzjagd wahr“, sagte er. Diese kleine Beobachtung bestätigt mich darin, dass die Mehrheit der Bevölkerung offensichtlich doch einen Kern dieser Debatte zu treffen scheint – und damit möchte ich keineswegs von den Fehlern, die Christian Wulff unbestreitbar gemacht hat, ablenken!

Update (9.1.2012):
Da es neue Spekulationen über die Echtheit des Facebook-Eintrages von Hape Kerkeling gibt, habe ich – wie das Handelsblatt und Markus Lachmann von der Allgemeinen Zeitung auch – heute nochmal beim Medienbüro Krüger, angerufen. Dieses ist laut der Homepage von Hape Kerkeling für die Beantwortung von Fragen zuständig und ich hatte schon am Donnerstag (5.1.2012) versucht jemanden zu erreichen, aber laut Anrufbeantworter war es erst ab heute wieder besetzt. Leider konnte mir Frau Krüger keine Antwort zu meiner Frage, ob der Facebook-Eintrag echt sei, geben. Sie hat die Echtheit also weder bestätigt noch bestritten und sich einfach für nicht zuständig erklärt. Auf die Frage, wer denn zuständig sei, konnte sie mir auch keine Antwort geben. Da ich ja offensichtlich nicht der Einzige war, der da angerufen hat, fand ich die Antwort sehr seltsam. Warum kann ein Medienbüro nicht kurz bei seinem Klienten anfragen und hier für Aufklärung sorgen? Es bleibt also dabei: Die Echtheit des Facebook-Accounts und des Wulff-Kommentars ist von Hape Kerkeling bzw. jemandem, der für ihn spricht weder bestritten, noch bestätigt. Bis sich weitere Informationen ergeben, kann ich nur auf blu.fm und meedia.de verweisen, die Folgendes zur Echtheit schreiben:

Die Zitate stammen aus einem öffentlichen Post, der auf dem privaten Facebook-Profil sowie auf der Fanseite des Entertainers Hape Kerkeling zu lesen ist. Den Link haben wir nun direkt unter diesen Artikel eingefügt, um den andauernden Spekulationen der Herkunft zu begegnen. Außerdem seht ihr in der Galerie einen Screenshot, in dem der Inhaber von www.facebook.com/hape.kerkeling öffentlich zu seinem eigenen Post Stellung bezieht. (http://www.blu.fm/subsites/detail.php?id=5686)

Viele waren deshalb überzeugt, dass es sich um eine Fälschung handelt. Irrtum, es war Hape selbst. Das versichern zumindest verlässliche Quellen aus dem Umfeld des Entertainers. (http://meedia.de/fernsehen/hape-kerkeling-bin-eindeutig-fuer-wulff/2012/01/06.html)

Bei dem Redaktionsleiter von meedia.de habe ich gerade per Twitter nachgefasst. Ich werde das  per Mail auch noch bei blu (wo ich am Donnerstag schon angerufen hatte, aber nicht den richtigen Ansprechpartner erreichen konnte) und meedia versuchen und an dieser Stelle berichten, sollte ich etwas herausgefunden haben.

Was nicht stimmt, ist übrigens die Spekulation, dass der Artikel nicht mehr abrufbar sei: Er ist nachwievor (Stand: 9.1.2012, 15:03 Uhr) sowohl auf der (angeblichen) privaten Facebook-Seite von Hape Kerkeling abrufbar (https://www.facebook.com/hape.kerkeling/posts/345267098817264) als auch auf der Fanseite „hape kerkeling und seine freunde“ (https://www.facebook.com/pages/hape-kerkeling-und-seine-freunde/317865621460). Lediglich die blu.fm-Seite, über den der Link große Verbreitung gefunden hatte, ist so nicht mehr online. Stattdessen gibt es bei blu.fm (wie schon oben geschrieben) eine Zusammenfassung (http://www.blu.fm/subsites/detail.php?id=5686). Selbst wenn der Kommentar nicht echt ist: Die fehlende Berichterstattung in den etablierten Medien wundert mich trotzdem. Denn: Wenn der Facebook-Account gefälscht wäre, wären mit dem Teilen des Kommentars via Twitter, Facebook und Co. immerhin Tausende auf einen Identitätsdiebstahl im Internet hereingefallen. Auch das wäre ein Phänomen, welches auf jeden Fall berichtenswert wäre. Doch: Ob der Kommentar jetzt von Hape Kerkeling ist oder nicht: Er trifft aus meiner Sicht den Nagel auf den Kopf! Egal, wer ihn jetzt geschrieben hat.

Update 2 (9.12.2012, 16:12 Uhr):
Ich habe gerade mit blu telefoniert und von Meedia eine Mail mit folgenden Auskünften erhalten: Der Redakteur von blu sagte mir, dass „wir natürlich nicht daneben saßen, als Hape Kerkeling sich eingeloggt und den Artikel abgesandt hat“. Aber man habe Leute in der Redaktion, die mit Hape Kerkeling auf Facebook schon seit Jahren befreundet seien, und habe ebenso Promis befragt, die auf mit Hape Kerkeling Facebook befreundet sind und gehe daher davon aus, dass der Account echt ist. Dazu werde es bald noch einen erklärenden Artikel auf blu.fm geben. Auch der Redakteur von Meedia zeigt sich in seiner E-Mail davon überzeugt, dass der Artikel echt ist und beruft sich dabei auf eine Quelle, der man „absolut vertraut“.

Update 3 (9.1.2012, 20:52 Uhr):
Als erstes großes Medium berichtet jetzt (seit 19:22 Uhr) Focus Online mit einem eigenen Bericht. Man benennt zwar – zu Recht – die Zweifel an der Urheberschaft des Facebook-Kommentars. Dennoch hängt man an dem Kommentar von „Kerkeling“ (wie Focus Online durchgehend schreibt) einen Artikel auf, der beschreibt, dass sich der „Wind in den deutschen Medien langsam zu drehen scheint“.

Update 4 (10.1.2012, 17:35 Uhr):
Heute morgen sandte blu.fm mir den Link zu dem gestern versprochenen Artikel: http://www.blu.fm/subsites/detail.php?kat=People&id=5694.

Leider kann ich den Link und die gesamte blu.fm-Website derzeit (anscheinend seit heute mittag) nicht mehr aufrufen. Ich hoffe, bei Euch klappt es. Ich konnte den Link daher heute morgen auch nur kurz überfliegen.

Es steht in etwa das drin, was ich unter Update 2 schon schrieb. Offline sind aber seit wenigen Stunden auch die Facebook-Präsenzen, auf denen der Post zur Bundespräsidentendebatte „WULFF oder BILD?“ veröffentlicht wurde. Sowohl das persönliche Profil „Hape Kerkeling“ (https://www.facebook.com/hape.kerkeling) als auch die Fanpage „hape kerkeling und seine freunde“  (https://www.facebook.com/pages/hape-kerkeling-und-seine-freunde) sind nicht mehr erreichbar. Meedia, n-tv und Focus Online berichten hierzu. Über die Gründe kann und will ich hier nicht spekulieren. Während n-tv und Focus Online jedoch weiter daran zweifeln, ob die Accounts und damit auch die Posts wirklich von dem echten Hape Kerkeling stammen, bleibt Meedia ganz selbstverständlich bei der Einschätzung, dass die Seite echt ist:

Offenbar hat der Entertainer die Seiten selbst gelöscht. Hape ist dann mal off – zum Leidwesen seiner Fans. […] Ob die Facebook-Seiten des Entertainers wieder freigeschaltet wird, ist unklar.

Ganz abgesehen von der Wulff-Debatte bleiben für Hape-Fans aber noch zwei „Fanseiten“, die wohl aus der Übernahme der „Wikipedia-Artikel“ in Facebook resultieren. Auf der deutschsprachigen Seite mit 22.439 likes wird Hape Kerkeling als „MusikerIn/Band“ klassifiziert (https://www.facebook.com/pages/Hape-Kerkeling/108156115878831) auf der englischsprachigen mit 12.466 likes als „Person des öffentlichen Lebens“ (https://www.facebook.com/pages/Hape-Kerkeling/90142191669). Was es mit dem „Wulff-Post“ auf sich hat bleibt indes weiter unaufgeklärt und spannend!

Update 5 (12.01.2012):
Anna (s. Kommentar unter diesem Artikel) hat mich auf ein Twitter-Profil mit dem Namen Hape Kerkeling (@hkerkeling) hingewiesen, auf dem Folgendes getwittert wurde

Eigentlich gebe ich nicht viel auf die Echtheit des Accounts, denn der Twitter-Account ist nicht verifiziert und hatte bisher seit dem 6. Juli 2009 nur wenige Einträge, noch dazu in Englisch. Allerdings könnte es sein, dass der Twitter-Account als Promotion-Account zur Einführung der englischen Übersetzung des Kerkeling-Buches „Ich bin dann mal weg“, welches als „I’m Off Then“ am 16. Juni 2009 in den USA erschienen ist, genutzt wurde. Dafür spricht, dass das Cover des englischsprachigen Buches als Twitter-Hintergrund genutzt wird. Dafür würden auch die Links zu einigen Rezensionen des Buches in den USA sprechen. Auch der Hinweis in einem Tweet vom 25. August 2009, dass Hape Kerkeling am 1. September 2009 in New York und am 2. September 2009 in Philadelphia sei, stimmt offensichtlich, wie eine kurze Google-Recherche ergab: http://blog.goethe.de/current-writing/archives/83-Meet-Hape-Kerkeling.html

Dennoch reichen diese Recherchen NICHT, um die Echtheit des Twitter-Accounts zu bestätigen, es könnte sich auch einfach um einen Trittbrettfahrer handeln. Die ganze Geschichte bleibt mysteriös und wie Anna in ihrem Kommentar (s.u.) frage ich mich, warum das Medienbüro Krüger so dicht macht und mit dem Hinweis auf eine „private Angelegenheit“ weder bestätigt noch bestreitet, dass die Accounts und die Artikel von Hape Kerkeling selbst sind. Denn auch wenn die Profile nicht von Hape Kerkeling waren, gäbe es doch wegen des dann stattgefundenen Identitätdiebstahls ein öffentliches Interesse an der Angelegenheit.

Unterdessen wurde bekannt, dass Hape Kerkeling die Gala zur Vergabe der, vom Axel-Springer-Verlag vergebenen, Goldenen Kamera am 4. Februar 2012 (20:15 Uhr im ZDF) moderieren wird. Am 20. Januar wird er laut Ankündigung auf seiner offiziellen Homepage – die scheint wirklich echt zu sein – in der NDR-Talkshow „Tietjen & Hirschhausen“ auftreten. Vielleicht gibt es ja dann eine Aufklärung von Hape höchstpersönlich :-)

kleiner Nachtrag zum Update 5 (12.01.2012, 23:06 Uhr):
Heute hatte ich eine kurze Anfrage an die Facebook-Pressesprecherin gestartet, ob sie etwas zu der Löschung der Profile auf Facebook sagen könnte. Die PR-Agentur, die für Facebook arbeitet, rief mich sehr schnell zurück (da sage noch einmal jemand, Facebook sei in Deutschland nur mit einem Briefkasten präsent :-)). Leider könne man aus Datenschutzgründen zu der Löschung des Profils und der Fanseite nichts sagen, was natürlich sehr verständlich ist.

Außerdem habe ich das Medienbüro Krüger noch einmal wg. des Twitter-Eintrages angemailt. Auch hier gab es eine sehr schnelle Antwort. Es bleibt bei der Auskunft, dass man nur über geschäftliche Anfragen etwas sagen könne und über Privates nicht informiert sei.

Update 6 (21.01.2012, 10:45 Uhr):
In der gestrigen Ausgabe der NDR-Talkshow „Tietjen und Hirschhausen“ hat Hape Kerkeling das Geheimnis gelüftet, ob er den Facebookeintrag geschrieben hat, oder nicht.

Hier die Abschrift der wichtigsten Passage:

Bettina Tietjen: „Du hast ja für große Aufregung gesorgt, gerade am Anfang des Jahres.

Hape Kerkeling: „Hab ich? Was ist passiert?“

Tietjen: „Bzw. ich weiß garnicht, ob du es überhaupt warst. Es gab das Gerücht, ein Hape Kerkeling, jedenfalls jemand, der sich so genannt hat, hat bei Facebook ein flammendes Plädoyer für unseren Bundespräsidenten Christian Wulff reingesetzt.
Und die Frage ist bis heute: Warst Du das wirklich oder war das irgendjemand, der deinen Namen benutzt hat?“

Kerkeling:  „Also das ist und war meine private Facebookseite. Und in der Tat, das habe ich auf meiner privaten Facebookseite geschrieben mit dem Ergebnis, dass sie jetzt von Facebook gesperrt wurde.“

Tietjen: „Von Facebook, nicht von Dir?“

Kerkeling: „Nein nicht von mir. Facebook hat sie gesperrt.“

Tietjen: „Warum hast Du das gemacht? Warum war Dir das ein Bedürfnis?“

Kerkeling: „Also, das war mir aus folgendem Grunde ein Bedürfnis: Ich hatte das Gefühl, dass die Debatte um den Bundespräsidenten unverhältnismäßig hochgekocht wurde und man den Eindruck gewinnen konnte, es ging nicht mehr so sehr darum, aufzuklären, was da nun passiert ist oder nicht. Sondern, es ging darum, den Bären zu erlegen und das Fell zu teilen. Das hat mich so geärgert, dass ich an meine Facebookfreunde geschrieben habe.“

Tietjen: „Gab es Reaktionen? Ich meine nicht die normalen Pressereaktionen?“

Kerkeling: „Es gab ganz heftige Reaktionen und dann wurde eben recherchiert, ob ich das nun sei oder nicht. Daraufhin habe ich mich nicht gemeldet und habe gedacht, lass sie doch mal recherchieren.“

Tietjen: „Aber Christian Wulff hat sich nicht bei Dir gemeldet über Facebook?“

Kerkeling: „Konnte er nicht, die Seite ist ja gesperrt.“

Quelle: http://www.ndr.de/flash/mediathek/mediathek.html?media=tietjenundhirschhausen513

Nachdem die Echtheit also nun von Hape höchst selbst bestätigt ist, hat sich gezeigt, dass die Frage, die sich schon am 7. Januar stellte, warum nur ganz wenige Medien über die Äußerung von Hape Kerkeling zur Wulff-Affäre berichteten, äußerst berechtigt war.

Es bleibt interessant, aber dann doch nicht verwunderlich, dass auch die Äußerungen von Hape Kerkeling aus der Talk-Show gestern abend, offensichtlich bis jetzt (21.01.2012, 10:45 Uhr) noch keinen Niederschlag in den Medien gefunden haben, wie eine Abfrage bei Google News zeigte.

Eine weitere Frage bleibt, warum Facebook diese Seite gesperrt hat, wenn sie doch von Hape Kerkeling selbst stammt.

Update 7 (21.01.2012, 14:21 Uhr):
Danke an Anna (s. Kommentare) für die Informationen!

Facebook hat die Sperrung der beiden Seiten von Hape Kerkeling aufgehoben.
Das persönliche Profil und die Fanseite „hape kerkeling und seine freunde“ sind nun wieder erreichbar.

Außerdem gab es wohl eine dpa-Meldung zur gestrigen „Tietjen und Hirschhausen“-Sendung. Zumindest berichten mittlerweile Focus Online, RP Online und stern.de.

Für alle, bei denen das Flash-Video von der NDR-Homepage nicht funktioniert: Hier gibt es den Ausschnitt aus der Talkshow bei Youtube:

Schlussendlich gibt es für alle, die von Hape noch nicht genug haben morgen früh von 10-12 ein „Tietjen talkt“ mit Hape Kerkeling im NDR-2-Radio.

Update 8 (23.01.2012):
Nachdem auf einigen Blogs und auch in meiner Facebook-Timeline einige Verschwörungstheorien zur Sperrung des Profils von Hape Kerkeling aufgetaucht sind, habe ich mich noch einmal mit dem Thema Sperrung beschäftigt und dazu auch mit einer Mitarbeiterin der Agentur, die Facebook in Deutschland bei der Kommunikation unterstützt, telefoniert.

Aus meiner Sicht könnte es sich so zugetragen haben:

Nachdem die Wulff-Nachricht auf dem persönlichen Profil von Hape Kerkeling gepostet wurde und auf Facebook die Runde gemacht hat, haben Viele die gerechtfertigten Zweifel über die Echtheit des Accounts zum Anlass genommen, das Profil als Fälschung zu melden. Dies kann jeder Facebookntuzer bei jedem Profil tun, bei dem er Zweifel hat, dass die Facebook-Nutzungsbedingungen nicht eingehalten werden (s. Bild). Diese Funktion gilt letztlich dem Schutz eines jeden Einzelnen und der gesamten Community. Nummer 4.1. der „Erklärung der Rechte und Pflichten“ der Facebook-Nutzungsbedingungen besagt:

Du wirst keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen oder ohne Erlaubnis ein Profil für jemand anderes erstellen.

Wenn Facebook diese Richtlinien ernst nimmt, muss es diese natürlich auch durchsetzen und bei berechtigten Zweifeln einschreiten. Laut der Mitarbeiterin von Facebooks PR-Agentur werden Profilsperrungen jedoch nicht automatisiert – etwa nach einer bestimmten Anzahl von Meldungen – durchgeführt. Ein Mitarbeiter von Facebook schaue sich den Fall an. Dem „Besitzer“ des Profils schreibe man dann eine Mail fordere ihn auf, sich als Person XY (hier: Hape Kerkeling) zu legitimieren. Ob das Profil im Fall Kerkeling direkt nach Eingang von Meldungen anderer User gesperrt wurde oder ob zunächst auf eine Antwort auf die angesprochene Mail gewartet wurde, kann nicht beantwortet werden. Die Mitarbeiterin der PR-Agentur wollte aus Datenschutzgründen nichts zum konkreten Fall Hape Kerkeling sagen. Nach meiner Einschätzung ist dies auch unerheblich, denn Facebook musste nach den berechtigten Zweifeln handeln. Verschwörungstheorien, Facebook habe die Seiten aus politischen Gründen gesperrt, sind aus meiner Sicht nicht haltbar. Dies wird auch durch die Freischaltung des Profils am Samstag morgen, sei es aufgrund der öffentlichen Bestätigung durch Hape in der Sendung „Tietjen und Herrmann“ oder einfach weil er sich auf die Mail von Facebook gemeldet hat und sich gegenüber Facebook legitimiert hat, bestätigt. Um solchen Verschwörungstheorien in Zukunft vorzubeugen sollte Facebook künftig vielleicht eine kurze Erklärung, warum die Seite gesperrt ist bzw. überprüft wird, anzeigen, statt der bloßen Meldung, dass das Profil nicht (mehr) gefunden werden konnte.

Dass die Fanseite „hape kerkeling und seine Freunde“ gleichzeitig mit der persönlichen Profilseite offline und später auch wieder online war, könnte übrigens ganz einfach daran liegen, dass Hape Kerkeling mit seiner privaten Profilseite alleiniger Administrator dieser Seite war. Laut Facebook werden bei einer Sperrung einer persönlichen Profilseite natürlich auch die verbundenen Fanseiten gesperrt.

(Nachsatz: Ob die Klarnamenpflicht bei Facebook nicht genauso hinterfragenswert ist wie bei Google+, steht auf einem ganz anderen Stern ist aber für den vorliegenden Fall nicht relevant.)

 

 

Spiegel Online: Merkel enttäuscht die Junge Union

Von Sebastian Fischer, Augsburg

Während CSU-Chef Stoiber sich dem Druck des Deutschlandtags der Jungen Union beugte und eine kritische Analyse des miesen Unionsergebnisses lieferte, blieb die designierte Kanzlerin Angela Merkel hart. Ihre junge Garde reagierte zutiefst enttäuscht und fürchtet nun um die im Wahlkampf versprochenen Reformen.

Augsburg – Henrik Bröckelmann ist verärgert: „Frau Merkel, wir müssen jetzt diskutieren“, ruft er ins Saalmikrofon. „Wir haben jahrelang nur gejubelt, ich will jetzt auch mal mit unserer Führungsspitze reden“. Deshalb fordert das Mitglied er Jungen Union aus Nordrhein-Westfalen auf dem Deutschlandtag nicht nur eine sofortige offene Aussprache über das schlechte Wahlergebnis, sondern auch gleich einen großen Parteitag.

Doch Angela Merkel bleibt bei dem, was sie schon ganz zu Anfang ihrer Rede in Augsburg gesagt hat: „Natürlich will ich die Analyse nicht auf den St. Nimmerleinstag verschieben, aber das darf auch kein Schnellschuss werden.“ Deshalb wird sie der Jungen Union (JU) an diesem Sonntag nicht ihre Lehren aus dem Wahldebakel vom 18. September übermitteln. Zuerst müssten die Koalitionsverhandlungen mit der SPD abgeschlossen sein. Und auch danach wird die Junge Union kein Premium-Ticket zur Wahlanalyse haben: „Die gesamte Partei – der Sozialflügel, die Konservativen, die Reformer – muss sich in der Analyse wiederfinden“, sagt Merkel sicher und fest.

Ganz am Anfang des Augsburger JU-Treffens hatten einige Jungunionisten draußen auf den Gängen noch gefordert, Merkel solle „endlich mal mehr wie Maggie Thatcher sein“. Heute ist sie es dann. Die „eiserne Lady Angela“ lässt alle Vorwürfe einfach an sich abtropfen. Manche im Delegiertenpublikum fühlen sich wie nach einer wach schüttelnden Ohrfeige, zurückkatapultiert in die Realität.

Dabei hätte es doch so schön werden können: Hatten sie nicht am Tag zuvor noch den von ihrem Bundesvorsitzenden Philipp Mißfelder in Interviews angeschossenen CSU-Chef Edmund Stoiber zu einer schonungslosen Wahlanalyse drängen können? Auf offene Fragen gab es offene Antworten. Stoiber-Kritiker Mißfelder sagte am Abend, er habe es noch nie erlebt, dass eine Unionsspitze sich „so offen der Diskussion stellt“. Doch bei Merkel beißen die Jungpolitiker einen Tag später auf Granit.

Wenigstens ihre Reformforderungen wollen sie jetzt aber abgesichert haben: „In der Koalitionsvereinbarung mit der SPD müssen eins zu eins die Gesundheitsprämie und die Arbeitsmarktflexibilisierung drinstehen“, fordert Dominik Risse, Vize-JU-Chef in Nordrhein-Westfalen. Ansonsten „werden wir als JU diesem Koalitionsvertrag nicht zustimmen und die Große Koalition verabschieden“. Aus dem Publikum erschallen „Weiter so!“-Rufe.

Auch JU-Chef Mißfelder betont, dass er sich „große Sorgen um unser Reformprogramm“ mache: „Wir wollen, dass die Inhalte, für die wir in Leipzig gekämpft haben, auch Bestandteil der Koalitionsvereinbarung werden.“ Auf dem CDU-Parteitag in Leipzig hatten die vereinigten Reformkräfte im Jahr 2003 endgültig über die Sozialpolitiker um Norbert Blüm und Heiner Geißler triumphiert. Und Leipzig ist bei der JU zur Chiffre ihrer Politik, zu ihrem Mantra geworden.

Merkel erwidert in Augsburg, die Junge Union solle bitte „Motor der Reform bleiben“, aber „dass ich das eins zu eins umsetze, das kann ich Ihnen nicht versprechen, dann müssten wir ja gar nicht anfangen mit Koalitionsverhandlungen.“ Manch JUler wendet sich jetzt schon flehend an die eiserne Vorsitzende: „Frau Dr. Merkel, bitte werden Sie nicht die erste CDU-Kanzlerin einer sozialdemokratischen Regierung, bitte machen Sie den Ausverkauf unserer Inhalte nicht mit“, appelliert der Bayer Maximilian Benner: „Frau Dr. Merkel, bitte versprechen Sie uns, wenn wir schon in diese Alptraumkoalition müssen, machen Sie Schluss, wenn’s nicht funktioniert, besser früher als später.“

Andere wenden sich jetzt an den JU-Schutzheiligen Friedrich Merz: „Ich will ihnen mal sagen Frau Merkel, was wir gestern hier erlebt hatten: Wir hatten Friedrich Merz zu Gast…“ Ein donnernder, minutenlanger Applaus unterbricht Harald Sievers aus Nordrhein-Westfalen: „Friedrich Merz war in der Reformfrage glasklar. Unsere Positionen müssten rein in den Koalitionsvertrag, hat er gesagt.“ Merkel lächelt kalt und spricht leise. Sie schlägt der JU ihren Heiligen mit Leichtigkeit aus der Hand, hat der sich doch bekanntlich selbst demontiert: „Ich weise noch einmal ganz freundlich und sanft darauf hin, dass Friedrich Merz beschlossen hat, nicht mehr stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag zu sein.“ Und, so setzt sie hinzu, das mache sie natürlich traurig.

Angela Merkel setzt sich durch auf dem Deutschlandtag der Jungen Union. Während Stoiber erfolgreich auf die Jungpolitiker zugegangen war, zeigt die designierte Kanzlerin der größten politischen Jugendorganisation in Deutschland die Grenzen auf: „Es wäre schön, wenn man alles glasklar bekommen könnte, ich will auch alles glasklar.“ Aber, so Merkel weiter, „ich lüge Ihnen hier auch nichts vor und sage, es sei die lockerste Übung, unsere Reformpolitik mit den Sozialdemokraten hinzubekommen.“

Hatte die Junge Union gestern noch über den von ihr forcierten Offenbarungscoup Stoibers gejubelt, so war am Abschlusstag für heitere Stimmung nicht mehr viel Platz. Am Morgen hatte zwar Bayerns Staatskanzleichef Erwin Huber in formvollendeter Reformsprache zu den Delegierten gesprochen, doch nur die Bayern und Nordrhein-Westfalen ließen sich zu Applaus hinreißen. Huber grüßte „nicht nur als bayerischer Politiker, sondern ich begrüße Euch aus der Reformwerkstatt der CDU/CSU.“ Eigentlich spricht Huber gegenwärtig ungern über Reformen: Im Nachfolgekampf um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten liefert er sich ein Duell mit Innenminister Günther Beckstein. Beide betonen ihren sozialen Charakter, um in der CSU-Landtagsfraktion zu punkten.

Bei der Jungen Union aber konnte Huber endlich mal wieder über das räsonieren, was ihm besonders am Herzen liegt: Investitionen in Wissenschaft, Forschung und Bildung, Cluster-Bildung und Eliteförderung. Allerdings sei eine „seelenlose High-Tech-Landschaft nicht in unserem Sinne“. Ein gutes soziales Klima sei das Ziel, „dafür lohnt es sich zu kämpfen, dafür lohnt es sich zu arbeiten“. Fragen zu seinen Chefambitionen in Bayern wollte Huber aber nicht beantworten. Während der Bayer Huber als eine Art Reform-Rocker unter den ohrenbetäubenden Klängen des Status-Quo-Klassikers „Rockin‘ all over the world“ in die Halle einlief, bevorzugte der JU-Zeremonienmeister an der Stereoanlage für Merkel einen Hit der Jule-Neigel-Band: „Jetzt oder nie“. Die kommende Kanzlerin aber ließ sich nicht beirren. Die Wahlanalyse gibt es weder jetzt noch nie, sondern irgendwann dazwischen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,381273,00.html