Die meisten Autofahrer (in größeren Städten) kennen sicherlich diese nervige Werbung im Visitenkartenformat, die ungefragt an sämtliche Seitenscheiben von geparkten Autos gesteckt wird. Bei mir in Münster-Pluggendorf ist es im Moment mal wieder besonders schlimm mit dieser Werbung. Fast täglich wird man da mehr oder minder originell und meist im selben Stil gefragt, ob man sein Auto verkaufen will. Ausstattung, Kilometerstände und TÜV-Status der Autos seien völlig egal. Man kaufe alles und sei 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche erreichbar. Darunter steht dann meist nur eine Handynummer. Einen wirklichen Firmennamen – außer „Münsterland Auto Export“ oder „Afrika Export“ – oder gar einen namentlichen Ansprechpartner mit Adresse und Festnetznummer gibt es nicht. Wenn man einmal eine Karte ohne auffällige Rechtschreibfehler oder graphische Setzfehler in die Hand bekommt, hat man einen Glückstag.

Abgesehen davon, dass ich mit Personen oder Unternehmen, die so werben, niemals Geschäfte machen würde: Mich nervt diese aufdringliche Form der Werbung. Zudem verschmutzen die Flyer die Umwelt, dend die meisten Autofahrer befördern die unerwünschte Werbung von der eigenen Autoscheibe direkt auf die Straße.

Angestoßen durch das Münster-Tagebuch, das vor ein paar Tagen über eine andere Art der Werbung auf Straßen berichtete, habe ich nochmals recherchiert, wie die Visitenkartenwerbung rechtlich zu bewerten ist und  herausgefunden, dass das Oberlandesgericht Düsseldorf bereits 2010 festgestellt hatte, dass diese Form der Werbung ohne Sondernutzungserlaubnis durch die Kommune verboten sei (Az.: IV-4RBs-25/10 und IV-4Ws 57/10 Owi). Außerdem könne die zuständige Ordnungsbehörde ein Bußgeld gegen Zuwiderhandlungen verhängen.

Daher habe ich, ähnlich wie das Münster-Tagebuch in dem Fall der überall herumstehenden Werbeanhängern, mal bei der Stadt Münster nachgefragt, ob die Stadt Münster Genehmigungen für Visitenkartenwerbung erteilt hat und wie die Stadt gegen Zuwiderhandlungen vorgeht. Heute kam die sehr rasche Antwort von der Stadt. Herr Koch vom Ordnungsamt teilte mir mit, dass die Stadt aktuell keine Erlaubnis für diese Art Werbung erteilt habe und dass Verstöße wegen unerlaubter Werbung im öffentlichen Raum durch die Stadt mit Bußgeldern verfolgt wird. Hinzu komme eine Mitteilung an den Vertragspartner der Stadt Münster, der die nicht erlaubte Werbung ggf. zivilrechtlich verfolgen würde. Der Vertragspartner der Stadt wird wohl die Firma Wall sein, an den die Stadt aktuell die Werberechte im öffentlichen Raum vergeben hat.

Die Erfahrung und die sich wiederholenden „Visitenkarten-Anschläge“ zeigen jedoch leider, dass das Problem damit nicht wirklich gelöst ist. Die nächste Karte steckt wahrscheinlich schon wieder am Auto.

Nervt Euch diese Werbung auch? Kann man was dagegen tun?

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„Schon als „kleiner Junge“, der begann sich für Politik, Geschichte und Zeitgeschehen zu interessieren, hab ich es bei einem Sonntagsausflug mit der Familie aus Nottuln nach Münster nie verstanden, dass ein Platz in Münster – dazu ein so zentraler Platz – noch mehrere Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches noch nach Hindenburg benannt war.

Deshalb hoffe ich sehr, dass die Ratsmehrheit für die Umbenennung am 21. März steht.

Kaum verstehen kann ich jedoch, dass sich die CDU so schwer mit dieser Frage tut. Da scheinen einige einem völlig falschen Traditionsverständnis anzuhängen. Das Verbreiten der „Dolchstoßlegende“ und seine Rolle bei der Machtergreifung Hitlers sind ja eigentlich schon Gründe genug, die keine „Ehrung“ durch eine Platzbenennung im demokratischen Deutschland mehr rechtfertigen.

Dazu steht Hindenburg für mich für:
– Militarismus,
– Autokratie,
– Preußen (und damit meine ich nicht den Fußballverein, sondern das kulturkämpferische und militaristische Königreich),
– ostelbisches Junkertum (Ständegesellschaft) und
– antikatholische Tendenzen (wobei ich natürlich froh bin, dass wir diese Konfessionsfeindschaft mittlerweile – auch durch die CDU – überwunden haben).

Ich weiß nicht, ob sich diese subjektiven „Eindrücke“ der Person Hindenburg historisch alle so klar belegen lassen, oder ob es auch Differenzierungen gibt, aber wenn historische Bewertungen bei der Debatte eine Rolle spielen würden, wäre sie ja schon bei den oben genannten Punkten „Machtergreifung“ und „Dolchstoßlegende“ vorbei.

Alles sind aber Punkte, die eigentlich auch diametral zu dem stehen, was Münster und eben auch die CDU in Münster ausmacht:
– Demokratie,
– Katholizismus,
– Westfalen (und nicht Preußen),
– wichtiger Standort einer Parlamentsarmee zu sein, in der die Grundsätze der inneren Führung gelten, ja sogar Standort eines binationalen Korps zu sein (dessen Hauptsitz sich auch noch am Hindenburgplatz befindet).

Deshalb finde ich es sehr schade, dass die CDU sich – anders als der Oberbürgermeister, sein Vorgänger Twenhöven und auch als Weihbischof Ostermann (wie man der WN entnehmen konnte) – so schwer tut, die Debatte um den Namen dieses Platzes endlich zu beenden und diese Schattenfigur deutscher Geschichte aus dem Stadtbild zu tilgen.

Neben dem Namen finde ich die Debatte über die künftige Nutzung des Platzes sehr spannend. Auch hier hoffe ich, dass es bald zu einer guten Lösung kommen wird, die dem Platz auch im Erscheinungsbild den Stellenwert gibt, den er für diese Stadt hat.

Ich fürchte, das wird – nach dem Musikhallendebakel – ungleich schwieriger als die Namensfrage!

Henrik Bröckelmann

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Gerade habe ich mir in der ZDF-Mediathek den beeindruckenden Auftritt von Schwester Raphaela Händler in der Spendenshow „Ein Herz für Kinder“ von ZDF und BILD am gestrigen Abend (17.12.2011) angeschaut. Und ich hab immer noch eine Gänsehaut.

Schwester Dr. Raphaela Händler von den Missions-Benedkitinierinnen aus Tutzing und gebürtig aus Münster ist in der Sendung von der Schauspielerin Hellen Mirren für ihr Lebenswerk mit dem silbernen „Herz für Kinder“ geehrt worden. Die studierte Medizinerin engagiert sich seit vielen Jahrzehnten in Namibia und Tansania insbesondere für die vielen Aids-Waisen. 1998 hat sie in Namibia die Catholic Aids Action gegründet. Seit einigen Jahren wirkt sie nun in Ndanda in Tansania und hat dort in dem Wissen, das Bildung die beste Prävention gegen Armut ist, unter anderem eine Mädchenschule gegründet. Einen Einblick in ihre Arbeit gibt auch das untenstehende Youtube-Video von missio.

Für einen gebürtigen Nottulner ist Schwester Raphaela ein fester Begriff: Der jährliche Adventsbasar zu Gunsten ihrer Arbeit in Afrika in der Geschwister-Scholl-Hauptschule war bis vor wenigen Jahren adventliches Pflichtprogramm für jede Nottulner Familie. Da ihre mittlerweile verstorbene Mutter Anna Händler lange Jahre im Nottulner Dorfkern wohnte, war auch Schwester Raphaela häufiger einmal in Nottuln zu Gast und hat z.B. die Messe in St. Martinus mitgestaltet und von ihrer Arbeit berichtet und die regelmäßigen Briefe an ihre Spender werden von vielen Nottulnern aufmerksam gelesen. Aus einem kleinen Vermächtnis ihrer Mutter und in Gedenken an ihre Mutter hat Sr. Raphaela übrigens einen Anna-Fond eingerichtet, aus dem Stipendien für tansanische Mädchen gezahlt werden, um diesen den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen.

Umsomehr freut man sich, wenn das Engagement von Schwester Raphaela nicht nur von „Ein Herz für Kinder“ so gewürdigt wird: Bis vor kurzem prangte sie noch in ganz Deutschland von vielen Werbetafeln der Aktion missio, deren Projektpartnerin sie ist und Papst Benedikt XVI. empfing sie im Vatikan um ihr für ihr Engagement zu danken.

Was mir neben Schwester Raphaelas Engagement zutiefst imponiert, ist ihr tiefer, fester Glaube. Da steht sie bei ihrer Dankesrede vor den ganzen „Stars und Sternchen“ und beginnt erst einmal von Gott zu reden:

„Gott hat große Dinge  mit mir und durch mich getan. Gleichzeitig erinnere ich mich an den Heiligen Paulus. Er sagte: ‚Wenn ich schwach bin, bin ich stark.'“

„Meine Arbeit mit meinen Schützlingen fordert mich jeden Tag neu heraus und ich frage mich immer: ‚Was ist der Wille Gottes?‘ Gott schickt mir ja keinen Brief und auch keine SMS. Ich muß es selber herausfinden: Im Lauschen auf mein eigenes Herz, auf die Menschen um mich herum. Und: Ich muß die Zeichen der Zeit lesen können.

Das kostet Kraft und braucht Stille, trotz der riesigen Arbeitslast. Das kann ich auch nicht allein schaffen. Aber zum Glück habe ich meine Schwestern und Brüder im Glauben, den Halt im Chorgebet und im Ordensleben. Und hier finde ich bei aller Sorge um die Kinder meine Kraft.“

Einfach beeindruckend! Ich bin sicher, dass jeder Euro, den man für Schwester Raphaela spendet, es wert ist. Denn Schwester Raphaela hat noch viel vor.
Hier daher die DIREKTE Spendenkontonummer:

Missions-Benediktinierinnen Tutzing
Kreissparkasse München Starnberg
Kto.-Nr. 430 570 986
BLZ 702 501 50
Vermerk: Für Sr. Raphaela

 

Update (28.12.2011): Hier gibt es auch den aktuellen Adventsbrief von Schwester Raphaela aus Afrika! Darin bezeichnet sie Nottuln als ihren Heimatort, was mich sehr freut. Im Artikel hatte ich mich auf kirchensite.de bezogen, wo immer davon die Rede war, dass Schwester Raphaela aus Münster komme.

 

 

Asante (Kisuaheli) = Danke

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Weil die Zahl der radelnden Regelbrecher so hoch ist, raten Verkehrsexperten wie Münsters oberster Polizist Hubert Wimber dazu, Radfahrer stärker als bisher zu kontrollieren und Fehler konsequent zu ahnden. Der erste deutsche Polizeipräsident mit grünem Parteibuch will zudem das Regelwerk für die Leezen-Fahrer erheblich verschärfen.
Ginge es nach ihm, würde eine Kennzeichenpflicht für Radler eingeführt, so dass Geisterfahrer, Rotlichtsünder und Unfallflüchtige auch nachträglich noch ermittelt werden könnten.

Der Spiegel 23/2011, S. 42

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