1992 gab es in Deutschland 438.000 Asylanträge. 438.000 Anträge, hinter denen 438.000 Menschen stehen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung vor allem im ehemaligen Jugoslawien flüchteten. Die Aufnahme der Flüchtlinge war eine große gesamtgesellschaftliche Herausforderung. In allen Städten und Gemeinden gab es Flüchtlingsunterkünfte. Unterkünfte und Lebensunterhalt kosteten – insbesondere die Kommunen – viel Geld. Auch die Aufnahme der Menschen mit anderer Kultur und Religion und das Zusammenleben mit den Flüchtlingen waren nicht immer einfach. Leider wuchs auch die Fremdenfeindlichkeit.

Ein Deutschland, was wenige Jahre nach der Einheit eigentlich genug mit sich selbst zu tun hatte, hat in den 90er Jahren also hunderttausende Flüchtlinge aufgenommen. Und es hat diese Aufgabe im Großen und Ganzen erfolgreich gestemmt.

Dennoch hat Deutschland 1993 das Asylrecht verschärft. Flüchtlinge aus sicheren Drittstaaten durften sich nicht mehr auf das Asylrecht berufen. Deutschland, seit der EU-Osterweiterung 2004 endgültig in einer Mittellage, macht sich also einen schlanken Fuß. Außer mit dem Flugzeug kann man kaum nach Deutschland kommen, ohne einen sicheren Drittstaat zu betreten. Kaum ein Flüchtling kommt jedoch mit dem Flieger. Kein Wunder, dass die Asylbewerberzahlen merkbar sanken und 2008 einen Tiefststand von 28.018 erreichten. 2012 stellten 77.651 Menschen einen Asylantrag. Im Jahr 2013 waren es bis September 74.194 Anträge.

Zahlen über Zahlen, die sich ob des großen Leids der Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien und der Dramen, die sich im Mittelmeer zum Beispiel in Lampedusa abspielen, nahezu absurd anhören. In Syrien sind Millionen auf der Flucht und Deutschland beweihräuchert sich, sage und schreibe 5.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Die ersten Flüchtlinge werden gar vom Bundesinnenminister am Flughafen begrüßt. Hunderttausende Flüchtlinge aus Nordafrika nehmen das Risiko einer Bootsfahrt über das Mittelmeer auf sich, um den gelobten Kontinent Europa zu erreichen, sicher zumeist aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch aus politischen Gründen, wie z.B. die verfolgten Christen aus Syrien und Ägypten. Hunderte, wahrscheinlich Tausende sterben dabei immer wieder namenlos irgendwo im Mittelmeer. Doch: Europa nimmt das aktuelle Drama vor Lampedusa zum Anlass lediglich über Quoten zu diskutieren, wie denn die Flüchtlinge auf die europäischen Staaten aufgeteilt werden können. Bundesinnenminister Friedrich hat offensichtlich nichts anderes im Sinn, als Italien daran zu erinnern, es habe im Vergleich zu Deutschland viel zu wenige Flüchtlinge aufgenommen.

Ich finde diese Diskussion vor dem Hintergrund des menschlichen Leids, welches in Lampedusa jetzt wieder einmal offensichtlich wurde, nicht mehr erträglich und zutiefst beschämend. Papst Franziskus hat Recht: Lampedusa ist ein Zeichen der Schande für uns. Daher sollten wir als Deutschland jetzt – statt über Aufnahmequoten zu streiten – ein Zeichen setzen und unbürokratisch Flüchtlinge aufnehmen. CDU/CSU als die C-Parteien in unserem Land müssten dabei Vorreiter sein. Die Zahlen aus den 90er Jahren zeigen, dass wir in Deutschland gut in der Lage sind, die Aufnahme von mehr Flüchtlingen zu stemmen.

Natürlich ist auch richtig, dass wir in Europa langfristig nicht alle Tore für Flüchtlinge – vor allem für Wirtschaftsflüchtlinge – aus Nordafrika öffnen können. Daher müssen wir – wie es z.B. auch Dirk Niebel und Philipp Mißfelder fordern – in Afrika mittels Hilfe zur Selbsthilfe für mehr politische Stabilität und wirtschaftliche Chancen sorgen. Dazu gehört etwa auch, dass wir über Sinn und Unsinn unserer europäischen Agrarsubventionen nachdenken müssen, die auch dafür sorgen, dass afrikanische Landwirte im Preiswettbewerb etwa um italienische Tomaten nicht mithalten können.

Jetzt ist jedoch humanitäre Hilfe das Gebot der Stunde. Laßt uns den Menschen, die in akuter Not sind, helfen, statt über Quoten zu diskutieren!

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Eintrag von Bundespräsident Joachim Gauck in das Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem:

„Wenn du hier gewesen bist, sollst du wiederkommen. Zuerst nur: die Flut der Gefühle, erschrecken vor dem Ausmaß des Bösen, mitleiden, mitfühlen, trauern – wegen eines einzigen Kinderschicksals oder wegen der Millionen unschuldiger Opfer.
Und wiederkommen sollst du, weil auch du wissen kannst: Namen der Opfer – wie viele kennst du? Namen der Täter – deutsche zumeist – Verursacher, Vollstrecker, auch Namen von Schreckensorten wirst du dir einprägen und wirst erschrecken vor dem brutalen Interesse von Herrenmenschen.
So wirst du dann hier stehen und dein Gefühl, dein Verstand und dein Gewissen werden dir sagen: Vergiss nicht! Niemals. Und steh zu dem Land, das hier derer gedenkt, die nicht leben durften.”

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2011-09-22-diskussionsrunde

Anlässlich des Besuches Papst Benedikt XVI. in Deutschland lud die Junge Union Deutschlands nun zu einer Podiumsdiskussion in die Repräsentanz der Commerzbank direkt neben dem Brandenburger Tor in Berlin ein. JU-Bundesvorstandsmitglied Henrik Bröckelmann aus Nottuln kam dabei die besondere Ehre zu, die Diskussion mit Wladyslaw Bartoszeswki, außenpolitischer Berater des polnischen Ministerpräsidenten und Außenminister der Republik Polen a.D., Prälat Dr. Wilhelm Imkamp, Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis, Gründerin der Marianischen Frauen-Congregation „Mariae Verkündigung“ und Matthias Matussek, SPIEGEL-Journalist und Autor des Buches „Das katholische Abenteuer“ zu moderieren.

„Wir wollten damit ganz bewusst das Wirken von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. für das Zusammenwachsen Europas und die deutsch-polnische Freundschaft in den Mittelpunkt stellt. Zugleich wollen wir ein starkes Zeichen setzen, dass der deutsche Papst in unserer Hauptstadt willkommen ist“, fasste Henrik Bröckelmann die Beweggründe die Veranstaltung zusammen. Im Anschluss an die Diskussion nahmen viele JU’ler auch an dem Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. im Berliner Olympiastadion teil.

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Buchtipp: „Von Mazowiecki zu Tusk. Solidarität europäischer Christdemokraten mit Polen“

97834160332371

Nachdem ich vor einigen Tagen bei einer Lesung von Jürgen Wahl aus seinem Buch „Von Mazowiecki zu Tusk. Solidarität europäischer Christdemokraten mit Polen.“ das Buch erworben habe, lese ich dieses gerade gespannt. Der Autor, der auch mal Chefredakteur der Entscheidung und Mitglied der Internationalen Kommission Jungen Union Deutschlands war, erzählt spannend von der zunächst „konspirativen“ Zusammenarbeit von westeuropäischen Christdemokraten mit Polen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich bin zwar noch nicht sehr weit, finde das Buch aber sehr lesenswert. Insgesamt ist der Band mit vielen Anekdoten angereichert, was ich sehr schön finde. Eine Episode fand ich dabei besonders interessant:

Die geistlichen Betreuer ermöglichten dem Bonner Paar [gemeint ist das Ehepaar Skibowski, welches sich um Ostern 1957 gerade im Auftrag Adenauers auf einer geheimen Polenreise befand] einen Gefangnisbesuch: „Hier litten einige unter Stalin.” Man zeigte ihnen auch zwei Zellen mit großen Kratz-Buchstaben an den Wänden. Am größten Waren zwei „A”s. Oh die Deutschen raten könnten, was gemeint sei? Der Priester: „Ganz einfach, A heißt Adenauer. Christliche Häftlinge wagten keine Kreuze zu ritzen, aber das Symbol A.” Skibowski zögerte mit einem Für-wahr-halten, doch man belehrte ihn: „Die Kommunisten hetzen gegen keinen westlichen Politiker so heftig wie gegen den katholischen Adenauer. Deshalb ist er bei uns Stück Hoffnung auf Wiedergewinnung von Freiheit.” Als Rückkehrer Skibowski dieses Erlebnis im Kanzleramt dem berichtete, reagierte Adenauer tief gerührt und verharrte mit Blick in den Park mehrere Minuten.

aus: „Von Mazowiecki zu Tusk. Solidarität europäischer Christdemokraten mit Polen.“ von Jürgen Wahl, Bonn 2010, S. 47

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