sonntägliche Gegensätze

Heute war ich – mehr oder weniger zufällig, eigentlich wollte ich woanders hin – in der Hl. Messe in St. Thomas von Aquin hier in Charlottenburg. Die frankophone Gemeinde Berlin – Franzosen, Afrikaner, Schweizer, Kanadier – feierte zusammen mit der deutschen Ortsgemeinde von Herz Jesu Charlottenburg das Patronatsfest.

Der deutsche Generalvikar vom Erzbistum Berlin als Hauptzelebrant. Als Konzelebranten der farbige Pfarrer der frankophonen Gemeinde und der Ortspfarrer – ein polnischer Ordenspriester -, der rheinische Theologieprofessor, der junge Kaplan und der Pfarrer im Ruhestand. Ein deutscher Kirchenchor und ein afrikanischer Gospelchor. Wie immer in Herz Jesu ist auch das Mädchen mit Down-Syndrom ganz selbstverständlich als Messdienerin dabei. Eine gemischte, ja bunte Gemeinde aus jungen und alten, schwarzen und weißen, aus deutsch- und französischsprachigen Menschen feiert Eucharistie. Alle hören das paulinische „Hohe Lied der Liebe“ als Lesung, beten das Credo in Latein und das „Vater unser“ in ihrer jeweiligen Muttersprache.

Beeindruckend. Gänsehaut. Katholizismus. Universalität. Weltkirche pur. So wie ich es zuletzt auf den Weltjugendtagen 2000 in Rom und 2005 in Köln erlebt habe. Beschwingt und freudig gehe ich nach Hause.

Eröffnungsmesse vom Weltjugendtag 2005 in Köln im Bonner Hofgarten
Eröffnungsmesse vom Weltjugendtag 2005 in Köln im Bonner Hofgarten

Dennoch bin ich nachdenklich, weil ich das Erlebte mit dem in Beziehung setze, was heute in unserem Land diskutiert wird: Die AfD im Umfragehoch. Eine Partei, die rechte Parolen ausgibt, die Ängste schürt und die Menschen glauben macht, es könne alles so bleiben, wie es ist.

Dann lese ich den Artikel “Die Radikalen” in der FAS. Liane Bednarz beschreibt detailliert die Beziehungen von “Rechtskatholiken” und Evangelikalen zu AfD, Pegida, Putin und Co. Fundiert legt sie dar, wie sich diese selbsternannten “Elitechristen” ihre Ideologie zusammenschmieden, wie sie ihnen gefällt.

Ich stelle mir die Frage, wie sich Menschen, die sich Christen, die sich Katholiken, die sich konservativ nennen, sich mit nationalistischen Kleingeistern gemein machen können. Ich glaube, ich werde keine befriedigende Antwort finden. Denn die Parolen und Forderungen von Pegida und AfD haben doch nichts, rein gar nichts, mit der christlichen Botschaft der Nächstenliebe zu tun. Sie haben auch nichts mit Konservatismus zu tun. Denn Konservative sind keine Ewiggestrigen, sie packen an und gestalten die Zukunft, wie Peter Tauber gestern wieder zurecht betont hat.

Statt weiter nach einer Antwort zu suchen, lese ich lieber Paulus:

“1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.

3 Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.

4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.

5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.

6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.

7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.

8 Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht.

9 Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden;

10 wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk.

11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.

12 Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.

13 Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.”

(1 Korinther 13, 1-13)

Junge Union: Christliche Werte sollen Politik prägen!

Anlässlich des 99. Katholikentags in Regensburg erklären der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder MdB, und der kirchenpolitische Sprecher, Henrik Bröckelmann:

„Wir begrüßen den heute in Regensburg startenden 99. Katholikentag. Wie in den Jahren zuvor werden auch 2014 wertvolle politische und gesellschaftliche Impulse von diesem ausgehen. Politik muss werteorientiert sein, damit sie dem Wohle der Menschen dienen kann. Die Junge Union setzt sich dafür ein, dass das christliche Menschenbild Grundlage der Politik unseres Landes bleibt.

Mit Sorge blicken wir auf die zunehmende Entchristlichung in weiten Teilen der Gesellschaft. Wir ermutigen die katholische und evangelische Kirche dazu, neues Vertrauen in den Glauben zu vermitteln und den Menschen die universellen Werte des Christentums näherzubringen. Im Rahmen des Katholikentags kommen Menschen zusammen, die sich den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen stellen und diese mitgestalten wollen.

Religionsgemeinschaften und Kirchen nehmen in Deutschland zu Recht eine starke Stellung ein. Ohne dass die säkulare Ausrichtung zur Disposition steht, nehmen religiöse Akteure wichtige gesellschaftliche Funktionen wahr und dienen der Politik als Ratgeber.

Grundlage der politischen Arbeit der Jungen Union sind christlich-soziale, konservative und liberale Wertevorstellungen. Das christliche Menschenbild ist zeitlos Basis unseres Handelns und gibt unserer Arbeit Sinn und Richtung. Wir sind auch weiterhin Motor christlich-demokratischen und christlich-sozialen Gestaltungswillens.“

Pressemitteilung der Jungen Union vom 28. Mai 2014.

Religionsfreiheit wahren – syrische Bischöfe freilassen!

Zur Entführung des syrisch-orthodoxen Erzbischofs von Aleppo, Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und seines griechisch-orthodoxen Amtsbruders Boulos Yazigi, des Erzbischofs von Aleppo und Iskenderum, erklären der Bundesvorsitzende der Jungen Union Philipp Mißfelder MdB und der kirchenpolitische Sprecher, JU-Bundesvorstandsmitglied Henrik Bröckelmann: »Die Verfolgung von Christen hat mit dem Überfall auf den syrisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und seinen griechisch-orthodoxen Amtsbruder Boulos Yazigi, den Erzbischof von Aleppo und Iskenderum, einen neuen, schrecklichen Höhepunkt erreicht. Die brutale Entführung der orthodoxen Würdenträger durch syrische Rebellen ist durch nichts zu rechtfertigen und muss umgehend beendet werden. Zugleich gedenken wir dem Fahrer der Bischöfe, der beim Angriff getötet wurde. Dem syrischen Bürgerkrieg, von Seiten des Assad-Regimes, aber auch der Rebellen unerbittlich und mit aller Härte geführt, fallen in jüngster Zeit vor allem Christen zum Opfer. Obwohl die beiden entführten Geistlichen zu Mäßigung und Frieden aufgerufen haben, wurden sie zur Zielscheibe islamistischen Hasses. Das berechtigte Anliegen, ein despotisches und verbrecherisches Staatsregime zu stürzen, darf nicht dazu führen, religiöse Minderheiten anzugreifen und vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges zu verfolgen. Dies schadet massiv dem Ansehen der syrischen Opposition hierzulande und weltweit. Religionsfreiheit ist ein elementares Menschenrecht und bildet damit auch den Prüfstein für alle Aktivitäten, die die Bundesrepublik Deutschland im Konflikt erwägt. Die Junge Union Deutschlands begrüßt in diesem Zusammenhang das Engagement des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder MdB. Konsequent und mit Nachdruck setzt sich Kauder immer wieder für die Interessen christlicher Minderheiten in arabischen Gesellschaften ein. Wir schließen uns seinem Appell an die Rebellen an, die christlichen Würdenträger unverzüglich frei zu lassen!«

http://www.junge-union.de/content/presse/mitteilungen/1430

Besserstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, ja bitte!

Neulich gab es bei uns im CDU-Kreisverband eine kleine Umfrage dazu, wie die Parteimitglieder zur derzeitigen Debatte um die Besserstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften stehen. Ich fand es gut, dass die Parteibasis befragt wird, bevor sich MdB und Kreisvorsitzender öffentlich positionieren. Meine Antworten auf die drei Kernfragen möchte ich hier einmal dokumentieren:

 

  1. Volles Adoptionsrecht auch für homosexuelle Lebenspartnerschaften – ja / nein?
  2. Soll die Koalition diese Frage bereits vor einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes entscheiden?
  3. Beibehaltung des Ehegattensplittings oder neues Familiensplitting?

 

Zu 1: 

Ich bin mittlerweile für ein Adoptionsrecht! Meines Wissens gibt es keine Studien (außer von irgendwelchen fundamentalen Pfingstlern aus den USA), die eine negative Auswirkung auf das Kindeswohl sehen, wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen als „Eltern“ um die Kinder kümmern. Wichtig ist es doch, dass Kinder heute überhaupt feste Vertrauenspersonen haben. Warum machen wir homosexuelle Partnerschaften zu einem generellen Problem, heterosexuelle Partnerschaften sind zunächst mal kein Problem, weil es eben „normal“ ist? Sollten wir nicht viel mehr auf den Einzelfall gucken? Sind nicht andere Faktoren ausschlaggebend für das Kindeswohl als das Geschlecht der beiden Hauptbezugspersonen. (Ich rede ausdrücklich nicht von Eltern, weil das Wort ja auch für die biologischen Eltern steht.)  Warum müssen wir uns immer wieder über die Verwahrlosung von Kindern unterhalten? Ich muss nicht in Entwicklungsländer schauen, um zu sehen, dass es Kindern auch in heterosexuellen Partnerschaften sehr schlecht gehen kann. Es gibt andere, viel größere Probleme für das Kindeswohl, als eine verhältnismäßig überschaubare Anzahl von homosexuellen Paaren, die Kinder adoptieren wollen und wo Kinder dann mit zwei gleichgeschlechtlichen Bezugspersonen aufwachsen. (Hier mal ein Interview mit betroffenen Kindern, was ich dazu sehr interessant fand: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/39323/1/1).  Warum können wir nicht anerkennen, dass es eben auch sehr viele homosexuelle Partnerschaften gibt, in denen echte konservative Werte gelebt werden? Vertrauen, Verantwortung, Liebe, Bindungen, menschliche Wärme, Treue werden eben auch in vielen homosexuellen Partnerschaften gelebt und können hier an Kinder weitergegeben werden. Genauso übrigens wie es Untreue, Scheidungen, Streit etc. in hetero- und homosexuellen Partnerschaften geben kann, die auf das Kindeswohl einen schlechten Einfluss haben können.

 

Zu 2: 

Ja, denn die Politik hat einen Gestaltungsanspruch und darf nicht dauernd der Verfassungsgerichtsbarkeit hinterher laufen. Es ist evident, dass das Verfassungsgericht eine Besserstellung von homosexuellen Partnerschaften im Vergleich zum Ist-Zustand – wahrscheinlich sogar eine Gleichstellung mit der Ehe – fordern wird. Die Verfassung ist von 1949. Damals gab es noch so genannte § 175er. Heute sieht das zum Glück anders aus. Es ist klar, dass sich auch die Verfassungswirklichkeit, sprich die Politik, hier anpassen muss. Man mag es nun Zeitgeist nennen. Ich halte es für einen Fortschritt, wenn Homosexualität keine Straftat mehr ist und wenn jeder nach seiner Façon leben kann, solange er nicht in die Freiheit der anderen eingreift.

Ich sehe ein, dass es Bedenken gibt, dass der Bundesparteitag anders entschieden hat. Was ist der Entscheid eines Bundesparteitages da noch wert, mag man sich da fragen. Für jemanden wie mich, der häufig kritisiert hat, dass Parteitagsbeschlüsse nicht ernst genommen werden, ist das ein gewichtiges Argument. Es bleibt auffällig, dass dieser Einwurf erst jetzt kommt. Ich kann mich an zig Parteitagsbeschlüsse erinnern, die nicht ernst genommen wurden und werden. Als Beispiel seien nur die Leipziger Parteitagsbeschlüsse zu den Sozialsystemen und zum Steuersystem genannt. Die wurden niemals ernsthaft umgesetzt und wurden dann schon weit vor einem erneuten Parteitagsbeschluss faktisch einkassiert. Das Zitat „Leipzig ist tot“ von Jürgen Rüttgers hallt mir noch in den Ohren. Interessant ist es daher, dass das Argument „Parteitagsbeschluss“ erst jetzt einmal fällt und ausgerechnet bei einem Beispiel, wo zum Zeitpunkt des Beschlusses schon klar war, dass das BVerfG wohl anders entscheiden wird.

Zu 3: 

Zunächst einmal möchte ich nicht, dass dieses Thema unter dem Vorzeichen einer vermeintlichen Modernisierung und einer Annäherung an die Grünen diskutiert wird. Das Thema sollte inhaltlich diskutiert werden, ganz ohne strategische Vorzeichen.

Inhaltich bin ich der Meinung, dass die Union sich stärker darauf konzentrieren sollte, Kinder zu fördern. Abgesehen von der menschlichen Erfüllung durch Kinder (, die den Staat aber nicht so sehr interessiert), sind Kinder für das Überleben einer Gesellschaft und sie für die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme unabdingbar. Dabei ist es jedoch egal in welcher Form der Beziehung diese jetzt aufwachsen. Die CDU als Partei muss sich damit abfinden, dass viele Kinder auch in anderen Lebensformen als traditionellen Ehen aufwachsen. Kann es denn sein, dass das Ehegattensplitting als Teil der Familienförderung indirekt diejenigen Kinder bevorzugt, die in einer traditionellen Ehe aufwachsen? Deshalb finde ich die Idee des Familiensplittings richtig und gut. Es sollte also nach der Kinderzahl gesplittet werden. Natürlich wird die genaue Ausgestaltung (z.B. die Frage, welcher Elternteil, wann welchen Splittingfaktor in Anspruch nehmen kann) noch Schwierigkeiten bieten. Doch das halte ich für klär bar.

Abkoppeln davon würde ich die steuerliche Förderung von Partnerschaften. Der Staat hat ebenso etwas davon, wenn zwei Personen sich dazu entscheiden, dauerhaft Verantwortung füreinander zu übernehmen. Dabei ist es egal ob die Partner nun verschiedenen oder gleichen Geschlechts sind. Deshalb bin ich dafür, das bisherige Ehegattensplitting auch auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften auszuweiten. Dabei müsste dann aber der „Partnerschaftssplitting“-Faktor wohl gegenüber dem Ist-Zustand (Ehegattensplitting) gesenkt werden, weil es eine Umverteilung in Richtung „Familien-/Kindersplitting“ geben sollte.

Dieses Modell halte ich für konservativ, weil es Kinder und diejenigen die Verantwortung füreinander übernehmen fördert. Dabei ist es die Freiheit der Menschen, wie sie ihr Lebensmodell wählen.

 

Fazit

Nicht nur aus persönlichen Gründen, hat sich meine Einstellung zu den angesprochenen Fragen in den letzten Jahren sehr gewandelt. Sie hat sich gewandelt, genau wie die Gesellschaft sich wandelt und genau wie sich die Partei sich in dieser Frage m.E. auch wandeln sollte.

Dabei glaube ich überhaupt nicht mehr, dass sich dies mit meinem Christsein, meinem Katholischsein, aus dem sich mein politisches Engagement ja auch ableitet, widerspricht. (Hierzu auch ein guter Artikel von Andreas Püttmann in der Christ & Welt 9/2013)

Ich halte es da mit dem Katechismus: „Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; … Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen …“

Dass die Kirche natürlich noch viel mehr, das Idealbild einer „Mutter-Vater-Kind-Familie“ hochhält halte ich dabei für nicht falsch. Jedenfalls so lange sie den Auftrag des Katechismus der Toleranz nicht ignoriert, wie dies manche Kirchenvertreter tun oder ins Gegenteil einer himmelschreienden Doppelmoral verfällt, wie an den Missbrauchsskandalen der jüngsten Zeit zu sehen ist. Nur: Der Staat, die Politik ist eben nicht die Kirche und sollte die aktuelle Lebenswirklichkeit der Menschen anerkennen.

 

 

 

Junge Union: Bluttest auf Trisomie 21 verbieten!

Zur geplanten Einführung eines Bluttests, der vor der Geburt anzeigt, ob ein Kind mit Down-Syndrom geboren wird, erklären der Bundesvorsitzende der Jungen Union Deutschlands, Philipp Mißfelder MdB, und der gesellschaftspolitische Sprecher der Jungen Union, Bundesvorstandsmitglied Henrik Bröckelmann:
„Die Junge Union lehnt die geplante Einführung des von einer Konstanzer Pharmafirma produzierten Bluttest ab, mit dessen Hilfe sich im Vorfeld der Geburt mutmaßlich feststellen lassen kann, ob ein Kind mit Down-Syndrom geboren wird. Ein derartiger Test widerspricht dem im Grundgesetz verankerten Gedanken der Menschenwürde und dem Gebot, Menschen mit Behinderungen nicht zu benachteiligen.
Nach Überzeugung der Jungen Union darf gerade im Hinblick auf den Schutz menschlichen Lebens nicht alles durchgeführt werden, was technisch machbar ist. Eine rein auf das Down-Syndrom ausgelegte pränatale Analyse würde – das zeigen Vergleichszahlen der Fruchtwasseruntersuchung – in 90 Prozent der Fälle zu einer Abtreibung und damit einer Diskriminierung von Menschen mit Trisomie 21 führen. Anders als bei der Fruchtwasserunterschung, die auch therapeutischen Zwecken dient, geht es bei dem speziellen Bluttest ausschließlich um die Suche nach einem genetischen Defekt. Die damit gegebene Option einer Aussortierung vor der Geburt widerspricht den Vorstellungen des christlichen Menschenbildes fundamental.
Zudem würde eine Zulassung des Tests zu einer weiteren Verschiebung ethischer Grenzen führen. In den USA sind bereits weitere Diagnosemöglichkeiten in der Diskussion, die noch weitergehende Analysen über ungeborenes Leben ermöglichen. Eltern, die ein behindertes Kind großziehen, könnten sich im Zuge dessen bald rechtfertigen müssen, warum sie keine pränatale Diagnostik in Anspruch genommen und ihr Kind abgetrieben haben. Eine derartige Entwicklung widerspricht den Überzeugungen der Jungen Union von einem Lebensschutz, der bereits vor der Geburt Gültigkeit besitzt. Ein Verbot des Bluttest auf Trisomie 21 ist deshalb dringend zu prüfen!“

Filmkritik: „Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“

Seit langer Zeit, war ich gestern mal wieder im Kino. Zu ungewöhnlicher Zeit am Sonntag morgen nutzte ich im altehrwürdigen Schloßtheater im Kreuzviertel wohl eine der letzten Gelegenheiten, den Film „Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“ (Regie: Nanni Moretti) in Münster im Kino sehen zu können.

Vor längerer Zeit hatte ich mal einen Hinweis auf den Film, der bereits am 8.12. in Deutschland angelaufen ist,  gelesen, hatte es aber bisher nicht ins Kino geschafft. Da mich das Thema, ein neugewählter Papst, der Angst vor der großen Verantwortung hat, jedoch sehr interessierte, war ich froh, dass ich es jetzt noch ins Kino geschafft habe. Hier meine kleine Kritik:

Inhalt

Der Film beginnt mit den authentischen Bildern von der Totenmesse für Papst Johannes Paul II. am 8. April 2005 auf dem Petersplatz. Sofort fühlt man sich – erst recht als gläubiger Katholik – in die unheimlich beeindruckenden Szenen aus dem April 2005 hineingezogen. Doch nun folgt die Fiktion: Nicht Kardinaldekan Joseph Ratzinger führt die Kardinäle ins Konklave. Die fiktiven Kardinäle ziehen unter Führung von Kardinaldekan Gregori ins Konklave ein, der gleichwohl – wie Ratzinger 2005 – als einer der Favoriten in die Papstwahl geht. Aber nach einigen erfolglosen Wahlgängen mit obligatorischem schwarzen Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle wird der Außenseiter, Kardinal Melville (Michel Piccoli), zum Nachfolger des Apostels Petrus gewählt. Doch dann passiert Unglaubliches. Während der Verkündung des neuen Papstes durch dem Kardinalprotodiakon auf der Loggia des Petersdoms („Habemus Papam“) und bevor der Name des neuen Papstes genannt wurde, überkommen den „Neuen“ Selbstzweifel, er schreit laut auf und flieht zurück in die Sixtinische Kapelle.

Psychologe Prof. Brezzi im Gespräch mit dem Papst (Quelle: http://habemuspapam-derfilm.de)

Die Weltöffentlichkeit bleibt ratlos zurück und auch die versammelten Kardinäle wissen keinen Rat. Sie bitten den renommierten Psychologen Prof. Brezzi (Nanni Moretti) um Hilfe. Doch er schafft es nicht, den verschlossenen Heiligen Vater zu „knacken“ und ihn zur Annahme der Wahl zu bewegen. Dem Pressesprecher des Vatikans (mit polnischem Akzent ausgestattet und klasse dargestellt von Jerzy Stuhr), der die Journalisten beruhigen muss, wird es nun zu bunt und er bringt den Heiligen Vater in einer Geheimaktion zusammen mit zivilen Schweizergardisten zur Ex-Frau von Brezzi, die auch Psychoanalytikerin ist. Doch auch sie bekommt keinen Zugang zu dem lieben älteren Herrn in zivil, von dem sie nicht weiß, wer er wirklich ist. Auf dem Rückweg in den Vatikan gelingt dem Hl. Vater die Flucht. Fortan treibt er unerkannt durch Rom, schließt sich einer Schauspieltruppe an und dringt so zu seinen „Wurzeln“ vor, denn er wollte – bevor er Priester wurde – auch einmal Schauspieler werden.

Da der Name des neuen Papstes noch nicht verkündet wurde, müssen die Kardinäle unterdessen im Konklave bleiben, zu dem jetzt auch Prof. Brezzi gehört. Der Pressesprecher läßt den Kardinälen durch einen Schweizergardisten, der hin und wieder die Gardine bewegt, vorspielen, dass der Hl. Vater sich in seine  Gemächer zurückgezogen habe. Brezzi organisiert unterdessen ein Volleyballturnier zwischen den unterschiedlichen Ländergruppen der Kardinäle, um die „Wartezeit“ zu überbrücken.

Schließlich wird der Hl. Vater bei der Premiere „seiner“ Schauspielgruppe im Publikum eines Theaters aufgespürt und von den Kardinälen in den Vatikan zurückgeholt. Bei der Wiederholung der Verkündung auf der Loggia des Petersdoms macht der Hl. Vater den Kardinälen, den Menschen auf dem Petersplatz und der Weltöffentlichkeit eine (nicht ganz) überraschende Mitteilung.

Kritik

Der Film glänzt mit hervorragenden Schauspielern. Der introvertierte Papst wird durch Michel Piccoli ebenso exzellent dargestellt, wie der extrovertierte Prof. Brezzi durch Regisseur Nanni Moretti oder der Pressesprecher des Hl. Stuhls durch Jerzy Stuhr. Auch die einzelnen Kardinäle sind wirklich gut besetzt. Im Konklave gibt es auch die besten und lustigsten Szenen dieses vielfach als Tragikomödie bezeichneten Films. Etwa als die versammelten Kardinäle während des therapeutischen Gesprächs zwischen Prof. Brezzi und dem Hl. Vater um die beiden herumstehen und – der offensichtlich deutsche – Kardinal Brummer (Ulrich von Dobschütz) fragt, ob der Professor denn überhaupt gläubig sei. Oder als die drei ozeanischen Kardinäle, das Konklave verlassen wollen, um ein wenig Sight-Seeing in Rom zu machen, Kardinal Gregori die drei aber darauf hinweisen muss, dass das Konklave erst vorbei sei, wenn der Name des neuen Papstes der Öffentlichkeit verkündet wurde. Die drei ozeanischen Kardinäle sind es auch, die während des Volleyballturniers euphorisch gefeiert werden, als sie in ihrem verkleinerten Team (In Ozeanien gibt es eben nur drei Kardinäle) ihren einzigen Punkt gegen das Team von Europa A machen. Hier könnte man noch viele weitere Szenen nennen, die einen etwas ironischen aber nicht respektlosen Blick auf die katholische Kirche offenbaren.
Die ernsteren und nachdenklicheren Szenen liefert der zweite Erzählstrang, die Flucht des Hl. Vaters und sein Versuch einer Selbstfindung. Für mich bleibt dieser Teil aber unzulänglich. Man bekommt zwar mit, dass der Hl. Vater gerne einmal Schauspieler geworden wäre und das vielleicht sein wahrer Lebenstraum gewesen wäre. Warum er aber so vor dem Papstamt, welches jetzt auf ihm lastet, zurückschreckt, bleibt offen. Auch die religiöse Dimension fehlt nahezu völlig. Es gibt zwar eine Szene, in der er in der Kirche sitzt und die Predigt eines jungen Kaplans hört, die er zweifellos auf sich beziehen kann. Aber man vermisst das Ringen des gläubigen Menschen, der jemand, der von der Mehrheit der Kardinäle des Papstamtes für würdig befunden worden ist, wohl sein sollte, mit Gott im Gebet. Für mich hatte diese Suche des Papstes etwas von einem Selbstfindungstrip eines postmodernen, säkularen Menschen, der kaum eine religiöse Bindung hat. Das fand ich schade. Denn das Thema, dass ein Papst sich nicht würdig fühlt, die Wahl der Kardinäle anzunehmen und unter der Last des Amtes schon vor seinem Amtsantritt zusammenzubrechen droht, verdient es, beleuchtet zu werden.

„Habemus Papam“ liefert einige gute Ansätze der Auseinandersetzung mit diesem Thema. Der Regisseur Nanni Moretti konnte sich jedoch  offensichtlich nicht für ein Genre entscheiden. Darunter leidet der Film meines Erachtens. Der Film ist kein Drama, keine Komödie, aber auch nicht wirklich eine Tragikomödie, dazu verlaufen die beiden Erzählstränge zu getrennt nebeneinander.

Meine Bewertung daher: Voll befriedigend!

 

 

 

Was hat der Kapitän der Costa Concordia mit der Finanzkrise zu tun?

Heute las ich im aktuellen Heft der Dokumentationsschrift der Katholischen Akademie in Bayern „zur debatte“ die Dokumentation einer Rede Paul Kirchhofs vom 20. Oktober 2011, in der er seinen Entwurf für ein neues Steuersystem skizzierte. In dem Teil, in dem er auf die gegenwärtige Finanzkrise eingeht und dafür plädiert, eine Steuerstrukturreform nicht getrennt von der Finanzkrise zu diskutieren, benutzt er zum Schluss ein Bild, was vor dem Hintergrund der Ereignisse der vergangenen Tage rund um die Costa Concordia natürlich aufhorchen lässt:

„Wenn allein das rechtliche Konstrukt zu einem Vorteil führt, Finanzmarkt und Steuergestaltungen zunehmend durch Griff in die Staatskasse Einkommen erzielen, aber nicht verdienen, die Intransparenz dieser Systeme die Gegenwehr eines wachen Rechtsbewusstseins lähmt, ist eine grundsätzliche Neubesinnung über die Rechtfertigung von Unternehmererfolg, Wirtschaftsfreiheit, freiheitlich definiertem Markt und Wettbewerb geboten. Wirtschaftliches Handeln meint immer Handeln auf eigene Rechnung, Einstehen für den Erfolg eigenen Tuns in Gewinn und Verlust. Steuerlicher Belastungsgrund ist stets der individuelle wirtschaftliche Erfolg, der Zuwachs an finanzieller Leistungsfähigkeit, von dem ein freiheitliches Verfassungssystem einen maßvollen Teil zur Finanzierung des Staates unausweichlich fordert. Hier liegt der Maßstab für eine gleichmäßige und maßvolle Steuerlast.

Die Bekämpfung der Finanzkrise und der Steuerkrise fordern also gleichermaßen eine Besinnung auf die Idee von Freiheit, individueller Selbstverantwortung und einer Zukunftsgarantie für beide Systeme. Wir müssen zurückkehren zum System der christlichen Seefahrt: Wenn der Kapitän sein Schiff auf Sand gesetzt hat, verlässt er als letzter das Schiff. Er riskiert durch übermäßige Risikofreude und Fehlleistungen Leib und Leben, steuert deshalb seine Schiffe behutsam und verlässlich durch die Weltmeere.“

Auch wenn Costa Concordia und Finanzkrise auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben und Kirchhof ja bei diesem Vergleich auch noch gar nichts von dem Schiffsunglück wissen konnte, stellte sich für mich die Frage:

Ist der Kapitän der Costa Concordia, der sein Schiff eben nicht als letzter verlassen hat, vielleicht nur ein Symptom für unsere, individualisierte, egozentrische Gesellschaft?

Der Kapitän hat sich genauso seiner Verantwortung entzogen, wie Mancher in der Wirtschafts und Finanzwelt, der lieber den Staat oder die Arbeitnehmer haften lässt, statt selbst die Verantwortung für Fehlentscheidungen zu übernehmen. Er hat sich aber genauso der Verantwortung nicht gestellt, wie Mancher, der schwarz arbeitet oder sich durch mehr oder weniger legale Steuertricks der Steuerzahlung entzieht und dazu seinen Beitrag für die Gesellschaft verweigert. Diese Reihe des sich nicht der Verantwortung stellen ließe sich wahrscheinlich ewig fortsetzen.

Sollte diese Beobachtung richtig sein, ist es daher nicht zu kurz gegriffen, mit dem Zeigefinger nur auf den Kapitän, den Hedge-Fonds-Manager, den Schwarzarbeiter und nicht zuletzt auf Christian Wulff zu zeigen? Oder müssen wir – wie schon die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft – unseren Blick vielmehr auf die moralischen Wurzeln unserer Gesellschaft richten und die Fragen stellen, die der (Finanz-)Markt nicht beantworten kann: Wie sieht es eigentlich mit den Wertegrundlagen unserer Gesellschaft aus? Wie sieht es mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft aus? Werden Werte wie Fairness und Ehrlichkeit in Gesellschaft, Familie und nicht zuletzt durch die Kirchen noch genügend vermittelt? Sind uns die Tugenden, die in der christlichen Seefahrt noch etwas galten, abhanden gekommen? Was stellen gesellschaftliche Institutionen einer zunehmenden Ich-Bezogenheit in der „Geiz-ist-Geil“-Gesellschaft eigentlich entgegen?

Fragen über Fragen, als kleiner Gedankenanstoß, über den auch ich noch weiter grübeln werde.

Die Rede von Prof. Kirchhof ist hier im Ganzen dokumentiert. Die auch sehr lesenswerte Replik des Münchner Sozialethikers Prof. Markus Vogt ist auf seiner Homepage hier abrufbar. Vogt unterstützt die Vorschläge des Steuerrechtlers Kirchhof grundsätzlich macht aber aus christlich, sozialethischer Sicht, den Vorschlag, die Steuerprogression beizubehalten.

Kleiner Nachtrag:
Nachdem ich diesen Artikel schrieb, stolperte ich zufällig über diesen Artikel im Blog von Kilian Martin, der sich mit dem Verhältnis von Staat und Kirche auseinandersetzt. Kilian geht  neben der Freiburger Rede Papst Benedikt XVI. auch auf eine Neujahrsrede Paul Kirchhofs beim Neujahrsempfang des Bistums Würzburg ein. Kirchhof beschreibt hier eindrücklich, dass der weltanschaulich neutrale Staat selbst Sinnfragen nicht beantworten könne. Daher bräuchte Religion und Kirche. „Der Staat regelt nur die äußere Ordnung“, so Kirchhof. Hier gibt es zusätzlich zu Kilians Blog eine Zusammenfassung der Rede auf den Seiten des Bistums Würzburg und hier die komplette Rede als Audio. Gerade vor dem Hintergrund der Fragen, die ich mir oben stellte, ist die Rede sehr, sehr hörenswert!

 

 

Junge Union: Christenverfolgung in aller Welt beenden!

Zur anhaltenden Verfolgung von christlichen Minderheiten weltweit erklären der Bundesvorsitzende der Jungen Union Deutschlands, Philipp Mißfelder MdB und der kirchenpolitische Sprecher der Jungen Union, Henrik Bröckelmann:

„Weihnachten, das Fest der Geburt Christi, werden auch im Jahr 2011 Millionen von Christen nicht ohne Angst vor Verfolgung und Unterdrückung feiern können. In dutzenden Ländern dieser Welt gehört die Missachtung des Rechts auf freie Religionsausübung und die  Diskriminierung religiöser Minderheiten noch immer zur traurigen Realität. Christen sind davon besonders betroffen, sie sind noch immer die am stärksten von Diskriminierung bedrohte Religionsgemeinschaft weltweit.
Laut Index der Organisation Open Doors kann davon ausgegangen werden, dass rund 100 Millionen Christen in über fünfzig Ländern das elementare Menschenrecht auf freie Ausübung ihrer Religion verwehrt bleibt. Mancherorts wird der Bau von Gotteshäusern verwehrt, in anderen Teilen der Welt müssen christliche Glaubensbrüder und –schwestern aufgrund ihres Bekenntnisses gar um ihr Leben fürchten. Gerade in den vergangenen Monaten häuften sich Schreckensmeldungen über Angriffe auf Kirchen, Konvertiten oder auf einfache Gläubige, die Opfer religiös motivierter Gewalt wurden.
Der Blick auf die Brennpunkte religiöser Verfolgung und auf die Schauplätze fundamentalistisch motivierter Gewalt zeigt auf, dass Christenverfolgung vor allem in totalitären Staaten stattfindet. Wie schon in den vergangenen acht Jahren führt Nordkorea die Schwarze Liste der Länder an, in denen christliche Minderheiten aufgrund ihrer Religion verfolgt oder benachteiligt werden. Die Hoffnung auf Besserung der schwierigen Lage nach dem Wechsel der Machthaber in Pjöngjang wird wohl leider nur ein frommer Weihnachtswunsch bleiben. Besorgniserregend ist die Situation zudem im Nahen Osten, wo sich die Lage in vielen muslimischen Staaten zunehmend radikalisiert.
Die Junge Union fordert daher zum wiederholten Male eindringlich ein Ende der Benachteiligung und Verfolgung unserer christlichen Glaubensbrüder und -schwestern in allen Regionen der Erde und setzt sich nachdrücklich für den Schutz der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit ein.
Das universelle Grundrecht auf freie Religionsausübung darf nicht mit Füßen getreten werden und muss für alle Gläubigen gleichermaßen und weltweit gelten!“

 

http://www.junge-union.de/content/presse/mitteilungen/1259

Asante, Danke, Schwester Raphaela!

Gerade habe ich mir in der ZDF-Mediathek den beeindruckenden Auftritt von Schwester Raphaela Händler in der Spendenshow „Ein Herz für Kinder“ von ZDF und BILD am gestrigen Abend (17.12.2011) angeschaut. Und ich hab immer noch eine Gänsehaut.

Schwester Dr. Raphaela Händler von den Missions-Benedkitinierinnen aus Tutzing und gebürtig aus Münster ist in der Sendung von der Schauspielerin Hellen Mirren für ihr Lebenswerk mit dem silbernen „Herz für Kinder“ geehrt worden. Die studierte Medizinerin engagiert sich seit vielen Jahrzehnten in Namibia und Tansania insbesondere für die vielen Aids-Waisen. 1998 hat sie in Namibia die Catholic Aids Action gegründet. Seit einigen Jahren wirkt sie nun in Ndanda in Tansania und hat dort in dem Wissen, das Bildung die beste Prävention gegen Armut ist, unter anderem eine Mädchenschule gegründet. Einen Einblick in ihre Arbeit gibt auch das untenstehende Youtube-Video von missio.

Für einen gebürtigen Nottulner ist Schwester Raphaela ein fester Begriff: Der jährliche Adventsbasar zu Gunsten ihrer Arbeit in Afrika in der Geschwister-Scholl-Hauptschule war bis vor wenigen Jahren adventliches Pflichtprogramm für jede Nottulner Familie. Da ihre mittlerweile verstorbene Mutter Anna Händler lange Jahre im Nottulner Dorfkern wohnte, war auch Schwester Raphaela häufiger einmal in Nottuln zu Gast und hat z.B. die Messe in St. Martinus mitgestaltet und von ihrer Arbeit berichtet und die regelmäßigen Briefe an ihre Spender werden von vielen Nottulnern aufmerksam gelesen. Aus einem kleinen Vermächtnis ihrer Mutter und in Gedenken an ihre Mutter hat Sr. Raphaela übrigens einen Anna-Fond eingerichtet, aus dem Stipendien für tansanische Mädchen gezahlt werden, um diesen den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen.

Umsomehr freut man sich, wenn das Engagement von Schwester Raphaela nicht nur von „Ein Herz für Kinder“ so gewürdigt wird: Bis vor kurzem prangte sie noch in ganz Deutschland von vielen Werbetafeln der Aktion missio, deren Projektpartnerin sie ist und Papst Benedikt XVI. empfing sie im Vatikan um ihr für ihr Engagement zu danken.

Was mir neben Schwester Raphaelas Engagement zutiefst imponiert, ist ihr tiefer, fester Glaube. Da steht sie bei ihrer Dankesrede vor den ganzen „Stars und Sternchen“ und beginnt erst einmal von Gott zu reden:

„Gott hat große Dinge  mit mir und durch mich getan. Gleichzeitig erinnere ich mich an den Heiligen Paulus. Er sagte: ‚Wenn ich schwach bin, bin ich stark.'“

„Meine Arbeit mit meinen Schützlingen fordert mich jeden Tag neu heraus und ich frage mich immer: ‚Was ist der Wille Gottes?‘ Gott schickt mir ja keinen Brief und auch keine SMS. Ich muß es selber herausfinden: Im Lauschen auf mein eigenes Herz, auf die Menschen um mich herum. Und: Ich muß die Zeichen der Zeit lesen können.

Das kostet Kraft und braucht Stille, trotz der riesigen Arbeitslast. Das kann ich auch nicht allein schaffen. Aber zum Glück habe ich meine Schwestern und Brüder im Glauben, den Halt im Chorgebet und im Ordensleben. Und hier finde ich bei aller Sorge um die Kinder meine Kraft.“

Einfach beeindruckend! Ich bin sicher, dass jeder Euro, den man für Schwester Raphaela spendet, es wert ist. Denn Schwester Raphaela hat noch viel vor.
Hier daher die DIREKTE Spendenkontonummer:

Missions-Benediktinierinnen Tutzing
Kreissparkasse München Starnberg
Kto.-Nr. 430 570 986
BLZ 702 501 50
Vermerk: Für Sr. Raphaela

 

Update (28.12.2011): Hier gibt es auch den aktuellen Adventsbrief von Schwester Raphaela aus Afrika! Darin bezeichnet sie Nottuln als ihren Heimatort, was mich sehr freut. Im Artikel hatte ich mich auf kirchensite.de bezogen, wo immer davon die Rede war, dass Schwester Raphaela aus Münster komme.

 

 

Asante (Kisuaheli) = Danke

Marx: Es ist eine Schande, wie der Begriff ‚Neoliberalismus‘ heute verwendet wird

Eine kleine Erinnerung auch an Manche, in meiner Partei:

 

„Papst Pius XI. wollte damit sagen, dass die Marktwirtschaft kein Selbstzweck ist. Zweck an sich ist nur der Mensch mit seiner Personwürde; der Markt aber ist ein Mittel im Dienst des Menschen. Die großen liberalen Vordenker der marktwirtschaftlichen Erneuerung im 20. Jahrhundert haben das übrigens genauso gesehen. Alexander Rüstow, der auf dem Walter-Lippmann-Colloquium von 1938 den Begriff des ‚Neoliberalismus‘ prägte, charakterisierte die Wirtschaft einmal als ‚Dienerin der Menschlichkeit‘.
Hier sieht man übrigens, dass ‚Neoliberalismus‘ ursprünglich etwas ganz anderes bezeichnete als das, was in der politischen Diskussion heute damit meist gemeint ist. Der Neoliberalismus wollte sich von dem alten Wirtschaftsliberalismus, dem Alt- oder Paläoliberalismus, abgrenzen und bekannte sich zu der sozialen Verantwortung der Wirtschaft und des Gemeinwohls bzw. der Politik. Es ist eine Schande, dass der Begriff des Neoliberalismus heute verwendet wird, um eine sich ausbreitende marktradikale kapitalistische Ideologie zu kritisieren, wo doch die ursprünglichen und eigentlichen Neoliberalen selbst diese Ideologie zeitlebens bekämpft haben.“

Reinhard Kardinal Marx: Das Kapital. Ein Plädoyer für den Menschen. (S. 83f)

(Foto: Wolfgang Roucka, Erzbischöfliches Ordinariat München, entnommen aus der Wikipedia)