sonntägliche Gegensätze

31. Januar 2016

Heute war ich – mehr oder weniger zufällig, eigentlich wollte ich woanders hin – in der Hl. Messe in St. Thomas von Aquin hier in Charlottenburg. Die frankophone Gemeinde Berlin – Franzosen, Afrikaner, Schweizer, Kanadier – feierte zusammen mit der deutschen Ortsgemeinde von Herz Jesu Charlottenburg das Patronatsfest.

Der deutsche Generalvikar vom Erzbistum Berlin als Hauptzelebrant. Als Konzelebranten der farbige Pfarrer der frankophonen Gemeinde und der Ortspfarrer – ein polnischer Ordenspriester -, der rheinische Theologieprofessor, der junge Kaplan und der Pfarrer im Ruhestand. Ein deutscher Kirchenchor und ein afrikanischer Gospelchor. Wie immer in Herz Jesu ist auch das Mädchen mit Down-Syndrom ganz selbstverständlich als Messdienerin dabei. Eine gemischte, ja bunte Gemeinde aus jungen und alten, schwarzen und weißen, aus deutsch- und französischsprachigen Menschen feiert Eucharistie. Alle hören das paulinische „Hohe Lied der Liebe“ als Lesung, beten das Credo in Latein und das „Vater unser“ in ihrer jeweiligen Muttersprache.

Beeindruckend. Gänsehaut. Katholizismus. Universalität. Weltkirche pur. So wie ich es zuletzt auf den Weltjugendtagen 2000 in Rom und 2005 in Köln erlebt habe. Beschwingt und freudig gehe ich nach Hause.

Eröffnungsmesse vom Weltjugendtag 2005 in Köln im Bonner Hofgarten

Eröffnungsmesse vom Weltjugendtag 2005 in Köln im Bonner Hofgarten

Dennoch bin ich nachdenklich, weil ich das Erlebte mit dem in Beziehung setze, was heute in unserem Land diskutiert wird: Die AfD im Umfragehoch. Eine Partei, die rechte Parolen ausgibt, die Ängste schürt und die Menschen glauben macht, es könne alles so bleiben, wie es ist.

Dann lese ich den Artikel “Die Radikalen” in der FAS. Liane Bednarz beschreibt detailliert die Beziehungen von “Rechtskatholiken” und Evangelikalen zu AfD, Pegida, Putin und Co. Fundiert legt sie dar, wie sich diese selbsternannten “Elitechristen” ihre Ideologie zusammenschmieden, wie sie ihnen gefällt.

Ich stelle mir die Frage, wie sich Menschen, die sich Christen, die sich Katholiken, die sich konservativ nennen, sich mit nationalistischen Kleingeistern gemein machen können. Ich glaube, ich werde keine befriedigende Antwort finden. Denn die Parolen und Forderungen von Pegida und AfD haben doch nichts, rein gar nichts, mit der christlichen Botschaft der Nächstenliebe zu tun. Sie haben auch nichts mit Konservatismus zu tun. Denn Konservative sind keine Ewiggestrigen, sie packen an und gestalten die Zukunft, wie Peter Tauber gestern wieder zurecht betont hat.

Statt weiter nach einer Antwort zu suchen, lese ich lieber Paulus:

“1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.

3 Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.

4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.

5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.

6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.

7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.

8 Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht.

9 Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden;

10 wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk.

11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.

12 Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.

13 Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.”

(1 Korinther 13, 1-13)

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