In die Falle getappt: Claudia Roth und die deutsche Staatsbürgerschaft

25. März 2013

Claudia Roth - PressefotoIch mag Claudia Roth ja auch nicht. Fast hätte ich mir daher sogar vorstellen können, dass die Meldung, Roth wolle die deutsche Staatsbürgerschaft abschaffen, stimmt. Seit ein paar Tagen taucht die Meldung, die mir irgendwie bekannt vorkam, wieder in meiner Facebook-Timeline auf. Zumeist versehen mit empörten Kommentaren, der zumeist christdemokratischen Bekanntschaften in meiner Filterbubble.

Doch: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!“

Natürlich stimmt die Meldung ganz offensichtlich nicht. Skepsis ist schon bei dem Link, unter welchem die Meldung aktuell verbreitet wird, geboten. Weil ich nicht noch weiter auf diese obskuren Seiten aufmerksam machen möchte, verlinke ich hier nichts und nenne keine Namen. Doch wer sich den Link zum Blog dieser „Arbeitsgemeinschaft“ einmal anschaut, wird gleich sehen, dass da irgendetwas nicht stimmen kann. Unter dem Datum 8. Januar 2013 ist die Meldung veröffentlicht. Als Quelle ist ein weiterer Blog (mit Datum 4. Januar 2013) angegeben. Nach ein bisschen Recherche und dank Google landet man irgendwann bei einer total inkorrekten Plattform, wo die Ursprungsmeldung am 1. April 2009 – ach deshalb kam mir das bekannt vor – veröffentlicht wurde. Ein ziemlich schlechter Aprilscherz, wie ich finde. Aber auf dieser Plattform werden unter dem Deckmantel „für Grundgesetz und Menschenrechte“ einzutreten, anscheinend täglich solche Platitüden und Stereotype in die Welt gesetzt.

Auch beim Datum hätte man schon Fragen stellen können. Der Beitrag wurde auf der aktuell im Umlauf befindlichen Seite am 8. Januar 2013. Angeblich habe Claudia Roth die Forderung am Rande eines Berliner Parteitages der Grünen erhoben. Ich kann mich nicht erinnern, dass Anfang Januar ein Parteitag der Grünen in Berlin stattfand. Und auch hier hilft Google weiter. Der letzte Berliner Parteitag der Grünen in war 2009. Der nächste ist erst Ende April 2013.

Zu guter Letzt könnte man auch einfach mal Google News (oder sein politisches Gespür und Gedächtnis) bemühen und sich fragen warum offensichtlich kein etabliertes Medium die Meldung aufgegriffen hat? Die absurde Forderung wäre sicher etwas für die Tagesschau und erst recht die Bildzeitung gewesen und hätte zu einer breiten Debatte geführt. Warum kann man sich daran nicht mehr erinnern? Muss doch um den 8. Januar gewesen sein?

Mir liegt es fern, Claudia Roth und die Grünen in Schutz zu nehmen. Aber ich diskutiere mit denen lieber über Forderungen, die sie wirklich erhoben haben. Für seltsame Aprilscherze obskurer Plattformen, die noch Jahre später im Netz rumschwirren kann selbst Claudia Roth nichts.

Als netzpolitisch interessierter kann ich den Begriff „Medienkompetenz“ zwar manchmal  nicht mehr hören. Doch, dass wir mehr davon brauchen, zeigen neben dem skizzierten Fall auch zwei weitere Beispiele aus den letzten Tagen: Da taucht ein persönliches Profil namens Helmut Kohl auf Facebook auf und fragt gezielt Unionsleute als Freunde an. Nach wenigen Tagen hat das Personenprofil hunderte Freunde, darunter selbst Minister und Abgeordnete. Glaubt irgendjemand wirklich, dass der kranke und alternde Helmut Kohl noch mit Social Media anfängt?

Wenige Tage später tauchte unter dem Motto „Drei Päpste auf einem Bild“ ein Foto mit Johannes Paul II., Kardinal Joseph Ratzinger und einem weiteren Bischof auf, der angeblich Kardinal Bergoglio (der heutige Papst Franziskus) sein soll. Eine kurze Recherche ergibt, dass das kaum möglich sein konnte. Johannes Paul II. und Joseph Ratzinger sehen auf dem Foto, was zudem noch schwarz-weiß ist, sehr jung aus.  Bergoglio wurde aber erst spät Weihbischof (1992). Schließlich stellte sich heraus, dass das Foto von 1983 und der angebliche Kardinal Bergoglio der venezolanische Erzbischof Rosalio Jose Castillo Lara war.

Wir sollten also nicht auf jede kleine Falle, die uns das digitale Leben so stellt, gleich hereinfallen. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand, einer Prise Skepsis und Googles wunderbaren Recherchemöglichkeiten kann man die Fallen ganz leicht umgehen.

2 Antworten zu “In die Falle getappt: Claudia Roth und die deutsche Staatsbürgerschaft”

  1. spöke sagt:

    Die StaatsANGEHÖRIGKEIT ist ein Völkerrechtssubjekt. Kein Land und keine Regierung kann diese abschaffen. Rot/Grün und viele andere werfen aber Staatsbürger und Staatsangehöriger gerne in einen Topf. Da es nur ein (illegales) STAG Gesetz gibt.
    Hier beruht vieles auf Täuschung weil sich kaum einer mit der Materie befaßt.

  2. erich1955 sagt:

    Ja genau,mit ein weinig gesundem Menschenverstand,einer Prise Skepsis und Googles wunderbaren Recherchemöglichkeiten kann man die politische Grundeinstellung der „Fatima-Roth-Partei“ genaustens offenlegen und deren „antideutsche Prägung“ definitiv nachweisen!!!

    Von daher dürfte es überhaupt keine Rolle spielen,ob die Forderung nach Abschaffung der deutschen Staatsbürgerschaft,tatsächlich Frau Roth zuzuschreiben wäre oder einer Falschmeldung entspringt!

    Denn ob diese Forderung nun einen realen Hintergrund besitzt oder eine Ente darstellt,ist hier nicht der Punkt,sondern ausschließlich die über „Jahrzehnte praktizierte Volkszersetzung“ durch Maßnahmen kranker Lebensphilosophien wie zb. der „Frankfurter Schule“,welche „eindeutig beweisbar“,durch eben diese „Grünen-Partei“ in das Volk hineingetragen wurde, – „selbstverständlich auf Empfehlung bzw. im Auftrag“!!!

    Dieses oder ähnliches Ansinnen würde sich also ganz wunderbar in das Konzept der „völkerverachtenden Vorstellungswelt“ der Melonen Partei einfügen und nimmt daher auch kein Wunder,wenn solcherart Meldungen tatsächlich ernst genommen werden!!!

    Wer konsequent einer Politik zujubelt,welche sich eindeutig gegen die Interessen des eigenen Volkes richtet,wer einer grenzenlosen Massenzuwanderung seine Zustimmung erteilt ohne dabei auf die „spezifischen Befindlichkeiten“ aller Beteiligten zu achten,hat explizit ein gestörtes Verhältnis zur „natürlichen Völkerordnung“,denn diese sieht in ihrer entwicklungs-orientierten Annäherung zur harmonischen Vollendung,weder eine „demographische noch kulturelle Entwurzelung“ vor!!!

    Selbst wenn man also bei dieser Meldung eine „satirische Andeutung“ unterstellt,würde diese eine „realitäts-identische Übereinstimmung mit dem rotgrünen Weltbild“ herstellen und genau diesen Zweck hätte dann ja wohl die „realitätsnahe Falschmeldung“ erfüllt!!!

Kommentar verfassen

Bad Behavior has blocked 323 access attempts in the last 7 days.