Leserbrief zum Thema Schloßplatz vom 17. März 2012

„Schon als „kleiner Junge“, der begann sich für Politik, Geschichte und Zeitgeschehen zu interessieren, hab ich es bei einem Sonntagsausflug mit der Familie aus Nottuln nach Münster nie verstanden, dass ein Platz in Münster – dazu ein so zentraler Platz – noch mehrere Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches noch nach Hindenburg benannt war.

Deshalb hoffe ich sehr, dass die Ratsmehrheit für die Umbenennung am 21. März steht.

Kaum verstehen kann ich jedoch, dass sich die CDU so schwer mit dieser Frage tut. Da scheinen einige einem völlig falschen Traditionsverständnis anzuhängen. Das Verbreiten der „Dolchstoßlegende“ und seine Rolle bei der Machtergreifung Hitlers sind ja eigentlich schon Gründe genug, die keine „Ehrung“ durch eine Platzbenennung im demokratischen Deutschland mehr rechtfertigen.

Dazu steht Hindenburg für mich für:
– Militarismus,
– Autokratie,
– Preußen (und damit meine ich nicht den Fußballverein, sondern das kulturkämpferische und militaristische Königreich),
– ostelbisches Junkertum (Ständegesellschaft) und
– antikatholische Tendenzen (wobei ich natürlich froh bin, dass wir diese Konfessionsfeindschaft mittlerweile – auch durch die CDU – überwunden haben).

Ich weiß nicht, ob sich diese subjektiven „Eindrücke“ der Person Hindenburg historisch alle so klar belegen lassen, oder ob es auch Differenzierungen gibt, aber wenn historische Bewertungen bei der Debatte eine Rolle spielen würden, wäre sie ja schon bei den oben genannten Punkten „Machtergreifung“ und „Dolchstoßlegende“ vorbei.

Alles sind aber Punkte, die eigentlich auch diametral zu dem stehen, was Münster und eben auch die CDU in Münster ausmacht:
– Demokratie,
– Katholizismus,
– Westfalen (und nicht Preußen),
– wichtiger Standort einer Parlamentsarmee zu sein, in der die Grundsätze der inneren Führung gelten, ja sogar Standort eines binationalen Korps zu sein (dessen Hauptsitz sich auch noch am Hindenburgplatz befindet).

Deshalb finde ich es sehr schade, dass die CDU sich – anders als der Oberbürgermeister, sein Vorgänger Twenhöven und auch als Weihbischof Ostermann (wie man der WN entnehmen konnte) – so schwer tut, die Debatte um den Namen dieses Platzes endlich zu beenden und diese Schattenfigur deutscher Geschichte aus dem Stadtbild zu tilgen.

Neben dem Namen finde ich die Debatte über die künftige Nutzung des Platzes sehr spannend. Auch hier hoffe ich, dass es bald zu einer guten Lösung kommen wird, die dem Platz auch im Erscheinungsbild den Stellenwert gibt, den er für diese Stadt hat.

Ich fürchte, das wird – nach dem Musikhallendebakel – ungleich schwieriger als die Namensfrage!

Henrik Bröckelmann

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Henrik Bröckelmann

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