Filmkritik: „Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“

13. Februar 2012

Seit langer Zeit, war ich gestern mal wieder im Kino. Zu ungewöhnlicher Zeit am Sonntag morgen nutzte ich im altehrwürdigen Schloßtheater im Kreuzviertel wohl eine der letzten Gelegenheiten, den Film „Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“ (Regie: Nanni Moretti) in Münster im Kino sehen zu können.

Vor längerer Zeit hatte ich mal einen Hinweis auf den Film, der bereits am 8.12. in Deutschland angelaufen ist,  gelesen, hatte es aber bisher nicht ins Kino geschafft. Da mich das Thema, ein neugewählter Papst, der Angst vor der großen Verantwortung hat, jedoch sehr interessierte, war ich froh, dass ich es jetzt noch ins Kino geschafft habe. Hier meine kleine Kritik:

Inhalt

Der Film beginnt mit den authentischen Bildern von der Totenmesse für Papst Johannes Paul II. am 8. April 2005 auf dem Petersplatz. Sofort fühlt man sich – erst recht als gläubiger Katholik – in die unheimlich beeindruckenden Szenen aus dem April 2005 hineingezogen. Doch nun folgt die Fiktion: Nicht Kardinaldekan Joseph Ratzinger führt die Kardinäle ins Konklave. Die fiktiven Kardinäle ziehen unter Führung von Kardinaldekan Gregori ins Konklave ein, der gleichwohl – wie Ratzinger 2005 – als einer der Favoriten in die Papstwahl geht. Aber nach einigen erfolglosen Wahlgängen mit obligatorischem schwarzen Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle wird der Außenseiter, Kardinal Melville (Michel Piccoli), zum Nachfolger des Apostels Petrus gewählt. Doch dann passiert Unglaubliches. Während der Verkündung des neuen Papstes durch dem Kardinalprotodiakon auf der Loggia des Petersdoms („Habemus Papam“) und bevor der Name des neuen Papstes genannt wurde, überkommen den „Neuen“ Selbstzweifel, er schreit laut auf und flieht zurück in die Sixtinische Kapelle.

Psychologe Prof. Brezzi im Gespräch mit dem Papst (Quelle: http://habemuspapam-derfilm.de)

Die Weltöffentlichkeit bleibt ratlos zurück und auch die versammelten Kardinäle wissen keinen Rat. Sie bitten den renommierten Psychologen Prof. Brezzi (Nanni Moretti) um Hilfe. Doch er schafft es nicht, den verschlossenen Heiligen Vater zu „knacken“ und ihn zur Annahme der Wahl zu bewegen. Dem Pressesprecher des Vatikans (mit polnischem Akzent ausgestattet und klasse dargestellt von Jerzy Stuhr), der die Journalisten beruhigen muss, wird es nun zu bunt und er bringt den Heiligen Vater in einer Geheimaktion zusammen mit zivilen Schweizergardisten zur Ex-Frau von Brezzi, die auch Psychoanalytikerin ist. Doch auch sie bekommt keinen Zugang zu dem lieben älteren Herrn in zivil, von dem sie nicht weiß, wer er wirklich ist. Auf dem Rückweg in den Vatikan gelingt dem Hl. Vater die Flucht. Fortan treibt er unerkannt durch Rom, schließt sich einer Schauspieltruppe an und dringt so zu seinen „Wurzeln“ vor, denn er wollte – bevor er Priester wurde – auch einmal Schauspieler werden.

Da der Name des neuen Papstes noch nicht verkündet wurde, müssen die Kardinäle unterdessen im Konklave bleiben, zu dem jetzt auch Prof. Brezzi gehört. Der Pressesprecher läßt den Kardinälen durch einen Schweizergardisten, der hin und wieder die Gardine bewegt, vorspielen, dass der Hl. Vater sich in seine  Gemächer zurückgezogen habe. Brezzi organisiert unterdessen ein Volleyballturnier zwischen den unterschiedlichen Ländergruppen der Kardinäle, um die „Wartezeit“ zu überbrücken.

Schließlich wird der Hl. Vater bei der Premiere „seiner“ Schauspielgruppe im Publikum eines Theaters aufgespürt und von den Kardinälen in den Vatikan zurückgeholt. Bei der Wiederholung der Verkündung auf der Loggia des Petersdoms macht der Hl. Vater den Kardinälen, den Menschen auf dem Petersplatz und der Weltöffentlichkeit eine (nicht ganz) überraschende Mitteilung.

Kritik

Der Film glänzt mit hervorragenden Schauspielern. Der introvertierte Papst wird durch Michel Piccoli ebenso exzellent dargestellt, wie der extrovertierte Prof. Brezzi durch Regisseur Nanni Moretti oder der Pressesprecher des Hl. Stuhls durch Jerzy Stuhr. Auch die einzelnen Kardinäle sind wirklich gut besetzt. Im Konklave gibt es auch die besten und lustigsten Szenen dieses vielfach als Tragikomödie bezeichneten Films. Etwa als die versammelten Kardinäle während des therapeutischen Gesprächs zwischen Prof. Brezzi und dem Hl. Vater um die beiden herumstehen und – der offensichtlich deutsche – Kardinal Brummer (Ulrich von Dobschütz) fragt, ob der Professor denn überhaupt gläubig sei. Oder als die drei ozeanischen Kardinäle, das Konklave verlassen wollen, um ein wenig Sight-Seeing in Rom zu machen, Kardinal Gregori die drei aber darauf hinweisen muss, dass das Konklave erst vorbei sei, wenn der Name des neuen Papstes der Öffentlichkeit verkündet wurde. Die drei ozeanischen Kardinäle sind es auch, die während des Volleyballturniers euphorisch gefeiert werden, als sie in ihrem verkleinerten Team (In Ozeanien gibt es eben nur drei Kardinäle) ihren einzigen Punkt gegen das Team von Europa A machen. Hier könnte man noch viele weitere Szenen nennen, die einen etwas ironischen aber nicht respektlosen Blick auf die katholische Kirche offenbaren.
Die ernsteren und nachdenklicheren Szenen liefert der zweite Erzählstrang, die Flucht des Hl. Vaters und sein Versuch einer Selbstfindung. Für mich bleibt dieser Teil aber unzulänglich. Man bekommt zwar mit, dass der Hl. Vater gerne einmal Schauspieler geworden wäre und das vielleicht sein wahrer Lebenstraum gewesen wäre. Warum er aber so vor dem Papstamt, welches jetzt auf ihm lastet, zurückschreckt, bleibt offen. Auch die religiöse Dimension fehlt nahezu völlig. Es gibt zwar eine Szene, in der er in der Kirche sitzt und die Predigt eines jungen Kaplans hört, die er zweifellos auf sich beziehen kann. Aber man vermisst das Ringen des gläubigen Menschen, der jemand, der von der Mehrheit der Kardinäle des Papstamtes für würdig befunden worden ist, wohl sein sollte, mit Gott im Gebet. Für mich hatte diese Suche des Papstes etwas von einem Selbstfindungstrip eines postmodernen, säkularen Menschen, der kaum eine religiöse Bindung hat. Das fand ich schade. Denn das Thema, dass ein Papst sich nicht würdig fühlt, die Wahl der Kardinäle anzunehmen und unter der Last des Amtes schon vor seinem Amtsantritt zusammenzubrechen droht, verdient es, beleuchtet zu werden.

„Habemus Papam“ liefert einige gute Ansätze der Auseinandersetzung mit diesem Thema. Der Regisseur Nanni Moretti konnte sich jedoch  offensichtlich nicht für ein Genre entscheiden. Darunter leidet der Film meines Erachtens. Der Film ist kein Drama, keine Komödie, aber auch nicht wirklich eine Tragikomödie, dazu verlaufen die beiden Erzählstränge zu getrennt nebeneinander.

Meine Bewertung daher: Voll befriedigend!

 

 

 

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