50 Jahre Deutschlandfunk – eine kleine Lobhudelei!

21. Januar 2012

„16 Uhr: Hier ist der Deutschlandfunk auf Mittelwelle und Langwelle. Mit dieser Nachrichtensendung beginnt die gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechts mit dem Namen Deutschlandfunk ihr Programm.“

Mit dieser Ansage zum Sendebeginn ging der Deutschlandfunk (DLF) am 1. Januar 1962 zum ersten Mal auf Sendung. Mein Lieblingsradio wird also 50. Grund genug, für eine kleine Lobhudelei!

Ja, auch ich höre hin und wieder diese privaten und öffentlich-rechtlichen Dudel-Radiosender mit Jingles, Comedies und mehr oder weniger witzigen Moderatoren. Wenn ich aber gut informiert sein will – und das ist meistens der Fall – höre ich den Deutschlandfunk.

Leider kann ich nicht mehr genau rekonstruieren, wann der Deutschlandfunk zu meinem Lieblingsradio wurde. Ich glaube aber, dass ich während eines Praktikumsaufenthalts in Berlin im September/Oktober 2001 begann, den Deutschlandfunk regelmäßig zu hören. Klar wusste ich als politisch-engagierter Mensch schon vorher, dass der Deutschlandfunk eines der Leitmedien in Deutschland war (und ist). Doch damals war das Programm im Münsterland über UKW noch nicht wirklich gut zu empfangen. In Berlin hatte man den DLF jedoch sehr schnell in guter Qualität auf dem Frequenzband seines Radioweckers eingestellt. So war ich – erst recht in den Tagen nach dem 11. September, in denen wohl nicht nur ich ein erhöhtes Bedürfnis nach Information hatte – schon morgens vor dem Aufstehen mit den neuesten Nachrichten, Interviews, Hintergründen sowie der täglichen Presseschau versorgt. Damals habe ich den Deutschlandfunk schätzen gelernt und seitdem bin ich dem Deutschlandfunk treu geblieben. Der Deutschlandfunk ist heute ein ständiger Begleiter durch meinen Tag.


Begleiter durch den Tag
Morgens
Seit 2001 beginnt bei mir also fast jeder Tag mit den Informationen am Morgen.
Werktags von 5 bis 9 Uhr  und samstags von 6 bis 10 Uhr laufen hier die wichtigsten Nachrichten, Berichte und Reportagen aus dem In- und Ausland sowie Interviews mit hochkarätigen Gesprächspartnern zu den Themen des Tages. Dazwischen gibt es dreimal (5:35 Uhr, 7:05 Uhr und 8:50 Uhr) eine Presseschau mit einem Überblick über die wichtigsten Kommentare aus deutschen Zeitungen, einen Verbrauchertipp (6:25 Uhr), eine christliche Morgenandacht (6:35 Uhr) sowie je zwei  Zusammenfassungen mit dem Wichtigsten von der Börse  (7:35 Uhr und 8:35 Uhr) und vom Sport (7:40 Uhr und 8:40 Uhr). Im Podium um 7:50 Uhr wird ein Thema noch einmal intensiv in Form einer Reportage beleuchtet.
Vormittags
Sollte ich noch zu Hause sein oder unterwegs die Möglichkeit haben, Radio zu hören, bleibt der Deutschlandfunk meist an. Nach den 9-Uhr-Nachrichten läuft mit dem Kalenderblatt ein historischer Rückblick auf ein Ereignis, welches sich am aktuellen Tag jährt. Um 9:05 Uhr folgen werktags mit Europa heute (9:10 Uhr) und Tag für Tag (9:35 Uhr) zwei Magazinsendungen mit interessanten Berichten aus Brüssel und den europäischen Nachbarländern sowie aus Religion und Gesellschaft. Hier und in Umwelt und Verbraucher um 11:35 Uhr werden Themen hintergründig aufbereitet, die es nicht unbedingt auf die Seite 1 der Tageszeitung schaffen würden. Das Journal am Vormittag von 10:10 Uhr bis 11:30, welches ich nicht mehr so häufig höre, kommt an jedem Tag aus einem anderen Themenbereich. Montags wird z.B. bei Kontrovers ein aktuelles politisches Thema behandelt, dienstags mit der Sprechstunde ein Gesundheitsthema und freitags mit der Lebenszeit ein generationenübergreifendes Thema. Gemeinsam haben die Sendungen, dass ein Moderator mit mehreren Gästen ein Thema diskutiert und dass Hörer sich per E-Mail oder Telefon-Call-In an den Diskussionen beteiligen oder Fragen stellen können.

Mittags
Nach den ausführlichen Mittagsnachrichten um 12:00 Uhr kommt von 12:10 Uhr bis 13:30 Uhr mit den Informationen am Mittag ein ähnliches Format wie morgens. Auch hier gibt es Interviews und Berichte zu aktuellen Themen. Um 12:50 Uhr gibt die Internationale Presseschau einen guten Überblick über Zeitungskommentare aus aller Welt. In der Wirtschaft am Mittag (13:30 Uhr) mit anschließender Wirtschaftspresseschau (13:55 Uhr) werden die wichtigsten wirtschaftlichen Themen des Tages aufbereitet. Um 14:10 Uhr laufen in Deutschland heute kurze Berichte und Reportagen aus den Bundesländern und im Hochschul- und Bildungsmagazin Campus & Karriere um 14:35 Uhr geht es vor allem um die Bildungspolitik.

Nachmittags
Nachmittags – eine Zeit zu der ich sehr wenig Radio höre – laufen mit Corso – Kultur nach 3, dem Büchermarkt, Forschung aktuell, Wirtschaft und Gesellschaft und Kultur heute vor allem kulturelle und wissenschaftliche Sendungen.

Abends
Nach dem Feierabend höre ich dann in die Informationen am Abend um 18:10 Uhr meist wieder rein. Analog zu den Informationssendungen am morgens und mittags gibt es hier kompakt das Wichtigste aus der Politik. Die Sendung schließt um 18:40 Uhr mit dem Hintergrund. Für mich ist dieser eine der besten Sendungen im Deutschlandfunk. In knapp 20 Minuten wird hier ein Tagesthema wirklich hintergründig und intensiv aufbereitet. Danach, von 19:00 Uhr bis 22:50 Uhr, höre ich auch sehr selten Radio und kann daher zu den Sendungen sehr wenig sagen. Interessant wird es für mich erst wieder um 22:50 Uhr mit der sportlichen Tageszusammenfassung Sport aktuell, den ausführlichen Nachrichten um 23:00 Uhr und dem Journal vor Mitternacht – Das war der Tag, in dem der Tag von den Journalisten des Deutschlandfunk – wieder mit Berichten, Reportagen und Interviews – noch einmal zusammengefasst wird. Die Sendung schließt mit einem ersten Blick in die Kommentarspalten des kommenden Tages. Um 23:57 Uhr beschließt der Deutschlandfunk mit der Nationalhymne  und seit 2007 auch mit der Europahymne den Tag.

So endet für mich der Tag meistens genauso, wie er begonnen hat: Im Bett, mit dem Deutschlandfunk in den Ohren. Natürlich höre ich nicht den ganzen Tag Radio und wenn ich Radio höre nicht den ganzen Tag Deutschlandfunk. Dennoch ist mir der Deutschlandfunk zu einem wichtigen Lotsen durch den Informationsdschungel geworden. Aber, warum?

Was gefällt mir am Deutschlandfunk so gut?
objektive, unabhängige und neutrale Journalisten
Der Deutschlandfunk lebt vor allem von seinen – wie ich finde – hervorragenden Journalisten. Da sind auf der einen Seite die Moderatoren, die fachkundig durch das Geschehen leiten und die die Interviewpartner auch mal etwas „härter“ rannehmen und nachhaken, wenn sich diese rauswinden. Ganz besonders hat mir dabei immer Elke Durak gefallen, die seit ein paar Jahren leider nur noch beim DLF-Schwestersender Deutschlandradio Kultur zu hören ist. Auf der anderen Seite sind da die Korrespondenten im In- und Ausland. Der Deutschlandfunk bzw. das Deutschlandradio, unter dessen Dach der Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und neuerdings auch DRadio Wissen betrieben werden, kann dabei auf das Korrespondentennetz der ARD zurückgreifen, hat aber auch eigene Korrespondenten. Das Berliner Hauptstadtstudio ist mit neun Korrespondenten bestückt, außerdem gibt es in den Hauptstädten der deutschen Bundesländer Landeskorrespondenten sowie in den wichtigen Hauptstädten der Welt eigene Auslandskorrespondenten. Die Korrespondenten sorgen mit ihren Hintergrundberichten und Schaltungen in die Informationssendungen dafür, dass man sich ein wirklich umfassendes Bild machen kann. Dabei hat man – anders als z.B. beim WDR – bei den allermeisten Journalisten das Gefühl, dass diese neutral, unabhängig und objektiv berichten. Auch die Interviewpartner werden meist ausgewogen ausgesucht. Das ist ein großes Pfund!

Faktor Zeit
Man merkt, dass man im Deutschlandfunk viel Zeit hat, Themen ausführlich zu behandeln. Anders als z.B. als auf WDR 2 muss ein Interview eben meist nicht nach 3 Minuten beendet sein, weil die nächste Musik oder der Werbeblock „wartet“, sondern kann durchaus mal 6 oder 7 Minuten dauern. Musik wird ohnehin nur in kurzen, „homöopathischen“ und instrumentalen Dosen als Überbrückung oder Denkpause zwischen zwei Wortbeiträgen angewandt. Die vielen verschiedenen Magazinsendungen bieten Platz, Themen relativ breit zu behandeln, die woanders gar nicht vorkommen würden. Im Hintergrund um 18:40 Uhr aber teilweise auch in den Features später am Abend bleibt viel Zeit, Themen differenziert aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Damit setzt sich der Deutschlandfunk wohltuend von anderen Sendern mit Informationsanspruch ab. Ein zweites großes Pfund!

Offen für Neues
Seitdem ich Deutschlandfunk höre – und wahrscheinlich schon viel länger – hat sich an dem Programmschema und an den einzelnen Sendungen nicht sehr viel geändert. Dennoch merkt man als intensiver Hörer, dass man offen für Neues und aufgeschlossen für die Meinungen der Hörer ist. Immer wieder werden in Sendungen vor allem im Journal am Vormittag die Hörer eingebunden. Leider ist es mittlerweile schon etwas länger her, als es einen ganzen „Hörertag“ gab, an dem sich u.a. auch der Intendant und der Programmdirektor den Fragen und Verbesserungsvorschlägen der Hörer gestellt haben. Selbst bei der Feier des Jubiläums war es den Verantwortlichen um Intendant Willi Steul offensichtlich wichtig, nicht nur einen Festakt durchzuführen, sondern auf einer Konferenz, über die ich hier schon berichtete, gemeinsam mit Journalisten, Wissenschaftlern, Hörern, Bloggern und anderen über die Zukunft der Medien im digitalen Zeitalter zu diskutieren.

Im Programm bzw. der Programmstruktur des Deutschlandfunk selbst gibt es zwar selten Revolutionen, aber immer wieder kleine Anpassungen. So gibt es seit kurzem freitags in der Sendung Deutschland heute ein neues Call-In zu einem Thema der Woche. Auch die Sendung Lebenszeit, eine Sendung, die vor allem die Folgen des demographischen Wandels und das Zusammenleben der Generationen thematisiert, ist so eine kleine Neuerung. Mit dem Abspielen der Europahymne zusätzlich zur Deutschlandhymne am Ende des Tages setzt der DLF seit 2007 einen wichtigen europapolitischen Akzent.

Eine kleine Revolution gab es beim Deutschlandradio vor einem Jahr dann doch. Mit DRadio Wissen ist am 18. Januar 2011 der neben Deutschlandradio Kultur jetzt zweite Schwestersender des Deutschlandfunks an den Start gegangen. DRadio Wissen ist ein innovativer Sender, der nur über das Internet verbreitet wird und vor allem junge Menschen ansprechen soll. Tagsüber werden im 15-Minutentakt verschiedene Themenbereiche behandelt. Über die Internetseite kann man sich aber auch sein ganz individuelles Programm zusammenstellen. Auch insgesamt ist die Internetpräsenz des Deutschlandradio sehr umfassend. Zwar sind die Seiten schlicht gehalten und ohne viel „Schnick-Schnack“, dennoch sind fast alle Beiträge sowohl als Text als auch als Audio abzurufen. Zu den meisten Sendungen gibt es einen Podcast-Kanal. Wohl auch gepusht durch DRadio Wissen sind Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk seit einigen Monaten auch bei Facebook, Twitter und Google+ präsent. Das Schöne dabei: Man belässt es nicht dabei, Beiträge einfach „rauszuschleudern“. Stattdessen sucht man den Dialog und antwortet individuell auf Fragen. Klasse!

Was kann noch besser werden?
Natürlich habe ich auch überlegt, was mir nicht so gut gefällt. Interessanterweise sind mir dazu zwei „Neuerungen“ eingefallen, die der Deutschlandfunk in den letzten Jahren ausprobiert hatte, dann aber leider wieder eingestellt hat. Von 2006 bis 2010 gab es den so genannten Lyrikkalender im Programm. Mitten im Programm wurde dabei mehrmals täglich ein Gedicht einfach so „eingestreut“. Ich fand es – wie Rheinzeitung-Chefredakteur Christian Lindner auch – einfach klasse, mitten im Programm für eine Minute einfach mal aus dem Alltag in eine kleine Gedichtwelt herausgerissen zu werden. Sehr schade, dass der Lyrikkalender am 31.12.2010 eingestellt wurde.

Eine weitere Neuerung, die leider wieder eingestellt wurde, war eine etwas andere Methode der Interviewführung. So wurde den Gesprächspartnern (und den Hörern) hin und wieder ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview mit einem anderen Interviewpartner zu dem gleichen Thema vorgespielt, mit der Bitte dazu Stellung zu nehmen. Damit standen die vielen Gespräche im Deutschlandfunk nicht nur jedes für sich, sondern es wurde ein diskursiveres Klima geschaffen. Es gab oft über mehrere Tage, so etwas wie eine „Diskussion“ über ein Thema im Deutschlandfunk. Das fand ich – im Gegensatz zu den auch schon ausprobierten Streitgesprächen mit zwei Gesprächspartnern zugleich, was im Radio nicht so wirklich funktioniert – sehr gut. Leider arbeiten die Moderatoren seit einiger Zeit nicht mehr mit diesen „Interviewschnipseln“. Heute stehen die Interviews wieder jedes für sich bzw. werden nur durch Kurzzusammenfassungen in Nachrichten oder am Ende der Informationssendungen durch Journalisten zu einem Gesamtbild zusammengefasst. Schade!

Zu guter Letzt würde ich mir noch wünschen, dass mehr von den Innovationen aus DRadio Wissen im Hauptprogramm ankämen. So spielen z.B. „Netzthemen“ bislang kaum eine Rolle. Vielleicht könnte man ja in die Informationssendungen neben der Presseschau auch eine kleine Netzschau einbauen. Neulich hörte ich zwar zum ersten Mal, dass in der Presseschau auch ein Kommentar von Spiegel Online zitiert wurde. Doch Spiegel Online ist nur ein „klassisches“ Medium, welches den Kanal Internet für seine Verbreitung nutzt. Das Netz als DAS Medium des 21. Jahrhunderts ist aber so viel breiter und vielfältiger. Es würde sich sicherlich lohnen, den Blick hier etwas zu weiten und nicht nur den Hörfunk ins Netz zu bringen, sondern das Netz auch mal mehr in den Hörfunk zu bringen.

Fazit
Der Deutschlandfunk ist zwar mit Sicherheit kein Organ der CDU, wie ein ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und jetziger Pirat, neulich mal über Twitter verlauten ließ. Der Deutschlandfunk ist aber von seiner Struktur her – nicht von seiner inhaltlichen Ausrichtung, das dürfte er auch gar nicht, – ein konservativer Sender. Konservativ, weil man nicht die Asche behütet, sondern das Feuer am brennen lässt. Man orientiert sich seit 50 Jahren klar an dem, was man kann: Informationen und Analysen aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft.  Gleichzeitig scheut man sich nicht vor Neuem.

Das finde ich gut!

Deshalb wünsche ich dem Deutschlandfunk, dass er auch in Zukunft auf seine Stärken setzt und dabei notwendige Neuerungen und Innovationen nicht aus dem Auge verliert. Dann wird er sicherlich auch in Zukunft einer meiner Lotsen durch den Informationstag bleiben.

Herzlichen Glückwunsch!

 

 

 

 

Eine Antwort zu “50 Jahre Deutschlandfunk – eine kleine Lobhudelei!”

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