Marx: Es ist eine Schande, wie der Begriff ‚Neoliberalismus‘ heute verwendet wird

5. Dezember 2011

Eine kleine Erinnerung auch an Manche, in meiner Partei:

 

„Papst Pius XI. wollte damit sagen, dass die Marktwirtschaft kein Selbstzweck ist. Zweck an sich ist nur der Mensch mit seiner Personwürde; der Markt aber ist ein Mittel im Dienst des Menschen. Die großen liberalen Vordenker der marktwirtschaftlichen Erneuerung im 20. Jahrhundert haben das übrigens genauso gesehen. Alexander Rüstow, der auf dem Walter-Lippmann-Colloquium von 1938 den Begriff des ‚Neoliberalismus‘ prägte, charakterisierte die Wirtschaft einmal als ‚Dienerin der Menschlichkeit‘.
Hier sieht man übrigens, dass ‚Neoliberalismus‘ ursprünglich etwas ganz anderes bezeichnete als das, was in der politischen Diskussion heute damit meist gemeint ist. Der Neoliberalismus wollte sich von dem alten Wirtschaftsliberalismus, dem Alt- oder Paläoliberalismus, abgrenzen und bekannte sich zu der sozialen Verantwortung der Wirtschaft und des Gemeinwohls bzw. der Politik. Es ist eine Schande, dass der Begriff des Neoliberalismus heute verwendet wird, um eine sich ausbreitende marktradikale kapitalistische Ideologie zu kritisieren, wo doch die ursprünglichen und eigentlichen Neoliberalen selbst diese Ideologie zeitlebens bekämpft haben.“

Reinhard Kardinal Marx: Das Kapital. Ein Plädoyer für den Menschen. (S. 83f)

(Foto: Wolfgang Roucka, Erzbischöfliches Ordinariat München, entnommen aus der Wikipedia)

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