Ganz einfach „Willkommen, Heiliger Vater!“,

15. November 2011

so hätte die Schlagzeile des Spiegel-Journalisten Matthias Matussek anlässlich des Besuches von Papst Benedikt XVI. in seinem Heimatland gelautet. Stattdessen hieß es im Spiegel: „Der Unbelehrbare“ und das mediale Klima war aufgeheizt. Dem wollte die Junge Union Deutschlands mit einem Empfang und einer Podiumsdiskussion im „Haus der Commerzbank“ in Berlin ein klares Zeichen entgegensetzen, dass Papst Benedikt XVI. in seinem Heimatland willkommen ist. Neben Matussek diskutierten dabei der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszeswki, Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis und Prälat Dr. Wilhelm Imkamp, Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild unter der Moderation von JU-Bundesvorstandsmitglied Henrik Bröckelmann das Wirken der Päpste Johannes Pauls II. und Benedikt XVI. sowie die Rolle der katholischen Kirche in der modernen Gesellschaft.

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Zu Beginn konnten die Diskutanten von beeindruckenden persönlichen Begegnungen mit den beiden Päpsten berichten. So war Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis, die Papst Johannes Paul II. bei einer Audienz mit den Regensburger Domspatzen traf, besonders von seinem festem Händedruck und davon, dass er sich für sein Gegenüber ehrlich interessierte, imponiert. Ein Eindruck, den Matthias Matussek auch von Papst Benedikt XVI. hatte: „Wach, klug und herzlich“ habe er den Papst kürzlich auf dem Flug von Rom nach Madrid zum Weltjugendtag erlebt und ihn gar nach seinem Arbeitgeber gefragt und ihn aufgefordert beim Spiegel „durchzuhalten“. Der ehemalige polnische Außenminister Bartoszewski, der Papst Johannes Paul II. noch als Karol Wojtyla als Redaktionskollegen bei einer katholischen Wochenzeitung kennenlernte, würdigte vor allem die politische Rolle Johannes Paul II. anhand vieler persönlicher Anekdoten. Schon in seiner Zeit als Krakauer Erzbischof sei er im Visier des polnischen Geheimdienstes gewesen. Dennoch hätten er und die gesamte katholische Kirche in Polen eine konspirative Art der Diplomatie z.B. mit den deutschen Bischöfen gepflegt. So habe Wojtyla ihn, Bartoszewski, den Ausschwitz-Überlebenden, dazu motiviert sich in der deutsch-polnischen Aussöhnung zu engagieren und habe ihn als geheimen Gesandten zu Gesprächen nach Deutschland geschickt. Als Papst habe er bei seinem ersten Polenbesuch 1979 seine Landsleute zum Widerstand gegen das kommunistische Regime aufgerufen. Ein Jahr später sei die Solidarnosc entstanden, an deren Wirken letztendlich der gesamte Warschauer Pakt zerbrochen ist. Sein Fazit: „Kein Papst war so politisch-bedeutend, wie Johannes Paul II.“

Im Anschluss daran würdigten Matthias Matussek und Prälat Dr. Wilhelm Imkamp die theologische Tiefe des deutschen Papstes. Papst Benedikt XVI. käme die Rolle zu, die „katholische Kirche zu konsolidieren“. Beim Weltjugendtag in Madrid habe er starke theologische Eckpfeiler gesetzt, so Matussek. Ähnliches erhoffe er sich auch für den Deutschlandbesuch, welcher für Prälat Imkamp schon vor seinem Beginn ein großer Erfolg sei. Das „kollektives Schweigen über religiöse Dinge“ würde durch den Papstbesuch durchbrochen, so der Wallfahrtsdirektor. „Es ist gut, wenn der Spiegel über den Papst und den lieben Gott schreibt, auch wenn nicht alles richtig ist, was er schreibt.“ Viele in der deutschen Kirche wünschten sich hingegen eine „Appeasement“-Kirche, die über alles rede, nur nicht über Gott, kritisierte er. Mit einem Disput über die Kirchensteuer zwischen Mathias Matussek, der sie als „modernen Ablaßhandel“ ablehnt, und Fürstin Gloria, die sie als Ausgleich für Enteignungen der Kirche durch den Staat verteidigte endete die gut einstündige Diskussionsrunde und nahm so eine Diskussion über die Rolle der Kirche im säkularen Staat vorweg, die der Heilige Vater mit seiner Freiburger Rede noch einmal befeuert hat, indem er eine “Entweltlichung der Kirche” forderte.  

Im Anschluss an die Diskussion nahmen viele JU’ler auch an dem Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. im Berliner Olympiastadion teil und feierten zusammen mit 70.000 Menschen die Heilige Messe wo pünktlich zur Ankunft des Hl. Vaters die Sonne über dem Altarraum aufriss. Für alle, die dabei waren, bleiben von dem Tag in Berlin – aber auch vom Besuch des Papstes in Deutschland insgesamt – viele eindrückliche Erinnerungen und noch mehr Anstöße zum Nachdenken.

Artikel für die ENTSCHEIDUNG 11/2011. (Foto: Jördis Zähring, Junge Union)

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