Europa: „Wenn erst Briten ‚unser Krakau‘ sagen“

12. Juni 2011

Gestern habe ich ein Zitat über Europa gelesen, welches mir sehr gut gefällt und welches auch ein wenig zu Pfingsten passt. Leider scheinen wir im Moment von dem Zustand, den Erhard Busek beschreibt, meilenweit entfernt zu sein. Bleibt dieses Europa nur ein Traum?

In Europa grübelt Hamlet über das Geheimnis seiner Tatenlosigkeit, will Faust durch die Tat dem quälenden Grübeln entrinnen, in Europa sucht Don Juan in jeder Frau, die ihm begegnet, die eine Frau, die er nie findet, und durch ein europäisches Land jagt Don Quijote mit eingelegter Lanze dahin, um der Wirklichkeit ein höheres Sein abzutrotzen. Aber dieses Europa, wo Newton und Leibniz das Unendlich-Kleine und das Unendlich-Große maßen, wo unsere Dome, wie Alfred de Musset gesagt hat, in ihrem steinernen Gewand betend knien, wo das Silberband der Ströme Städte aneinander reiht, die die Arbeit der Zeit in das Kristall des Raumes meißelt…, dies Europa muss erst noch entstehen. Erst dann wird es da sein, wenn die Spanier von „unserem Chartres”, die Briten von „unserem Krakau”, die Italiener von „unserem Kopenhagen” und die Deutschen von „unserem Brügge” zu sprechen beginnen. Erst wenn dies erreicht ist, hat der Geist, der unser Tun lenkt, das schöpferische Wort gesprochen: FIAT EUROPA!

Erhard Busek, ehem. österreichischer Vizekanzler und ÖVP-Obmann, zitiert nach Jürgen Wahl: „Von Mazowiecki zu Tusk. Solidarität europäischer Christdemokraten mit Polen.“ Bonn 2011. S. 222.

 

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