Artike für biss 35: JU fordert Friedensnobelpreis für Helmut Kohl

8. Mai 2007

Martin Luther King, Willy Brandt, Mutter Teresa, Michail Gorbatschow und Nelson Mandela: So lauten nur einige Namen der bisherigen Friedensnobelpreisträger. Nun soll die Liste um einen bedeutenden Namen aus Deutschland erweitert werden: Helmut Kohl.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat den ehemaligen deutschen Bundeskanzler wegen seiner Verdienste um die deutsche und die europäische Einigung für diese hohe Auszeichnung nominiert. Der Name Helmut Kohl werde für immer mit der deutschen Wiedervereinigung verbunden sein, schreibt Barroso in einem Brief an das Nobelkomitee. Die Wiedervereinigung symbolisiere den Triumph der Freiheit auf dem europäischen Kontinent, so Barroso. Sie sei mehr als die Wiedervereinigung eines einzelnen Landes gewesen.

Der Friedensnobelpreis wird einmal jährlich vergeben und soll derjenigen Persönlichkeit verliehen werden, „die am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat“, wie es der schwedische Industrielle und Preisstifter Alfred Nobel 1896 in seinem Testament formulierte. Wer, wenn nicht der „Einheitskanzler“ würde diesem Anspruch gerecht?

Helmut Kohl, der 1930 in Ludwigshafen am Rhein geboren wurde, erlebte die Wirren des Krieges als Kind und Jugendlicher. Wie er später immer wieder betont war die Kriegserfahrung für ihn und sein ganzes späteres Wirken prägend. Die tiefe Sehnsucht nach Frieden und Freiheit, sei in dieser Zeit entstanden, schreibt er in seinen Erinnerungen 1930-1982.

Von dieser Sehnsucht angetrieben, engagierte sich der junge Pfälzer schon mit 16 in der CDU und in der Jungen Union. Er war davon überzeugt, dass der Friede nur in einem vereinten Europa zu erreichen ist und nahm deshalb an einigen europäischen Jugendtreffen teil. So räumte er schon 1950 gemeinsam mit 300 Jugendlichen aus acht verschiedenen Ländern symbolisch die Zollschranken zwischen der deutschen Pfalz und dem französischen Elsass beiseite. 45 Jahre später war er selbst daran beteiligt, dass mit dem Schengener Abkommen die Grenzschranken zwischen den EU-Staaten tatsächlich fielen.

Auch als Bundeskanzler standen von 1982 bis 1998 Frieden und Freiheit im Mittelpunkt seiner Politik. Kaum im Amt, setzte er – gegen sowjetisch-kommunistische Drohgebärden und heftige Proteste der Friedensbewegung – die Nato-Nachrüstung durch. Wie sich später zeigte, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einheit.

Wie schon Adenauer war auch Kohl die deutsch-französische Aussöhnung als Grundlage der europäischen Einigung ein besonderes Herzensanliegen. Unvergessen bleibt der minutenlange Händedruck zwischen ihm und dem französischen Staatspräsidenten François Mitterand 1984 auf dem Schlachtfeld von Verdun. Diese Geste wurde zum Symbol für die deutsch-französische Freundschaft. Später brachten Kohl und Mitterrand, die auch eine persönliche Freundschaft verband, viele gemeinsame Projekte wie das Eurokorps und den Fernsehsender ARTE auf den Weg.

Mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 öffnete sich das Fenster zur deutschen Einheit. Entgegen allem Gerede von Zweistaaterei hatte der Bundeskanzler die deutsche Frage immer offen- und am Willen zur deutschen Einheit festgehalten. Er nutzte die Gunst der Stunde und übernahm mit seinem „Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ schnell die Initiative.
Trotz vieler Vorbehalte gegenüber einem wiedervereinten Deutschland im Ausland gelang es Helmut Kohl die Zustimmung von Michail Gorbatschow, George Bush, François Mitterrand und der anderen Partner zur deutschen Einheit zu erreichen. Dieses Vertrauen in Deutschland war damals nicht selbstverständlich. Doch Helmut Kohl galt durch viele persönliche Gespräche als verlässlicher Partner und europäischer Visionär. Als am 3. Oktober 1990 die Menschen in Ost und West die deutsche Einheit feierten, wurde auch für den Kanzler ein ganz persönlicher Lebenstraum wahr. Nach 40 Jahren der Teilung hat er die Einheit in Freiheit verwirklicht. Mit dem Vertrag von Maastricht und der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro wurde auch die europäische Einigung unumkehrbar.

Helmut Kohl hat einen entscheidenden Teil dazu beigetragen, dass wir heute in Frieden und Freiheit in einem gemeinsamen „europäischen Haus“ leben können. Gerade wir, die junge Generation, sind ihm deshalb zu Dank verpflichtet.

Auch Helmut Kohl hat Fehler gemacht. Nicht zuletzt im Rahmen der CDU-Spendenaffäre geriet er in das Kreuzfeuer der Kritik. Das sollte nicht unterschlagen werden, doch Fehler sind menschlich.
Sein Lebenswerk bleibt „historisch überragend“, wie es der britische Publizist Lord Weidenfeld formuliert hat. Er hat den Friedensnobelpreis verdient.

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